Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Gottlob, sie ist vorbei. Diese Saison, die eher nicht als rauschendes Ballfest in die Annalen eingehen wird. Ich habe das Glück, dass ich immer die Spitzenspiele kommentieren darf. Glück? Diese Saison war es Strafe. Oder soll das lustig sein, dass der FC Bayern mit 14 Punkten Vorsprung Meister wird? Und das unter anderem, weil die vermeintliche Konkurrenz eben diese Konkurrenz nahezu kollektiv verweigerte. Fangen wir also mit den Verlierern der Saison an. Allen voran sind das die Bayern. Die marschieren national vorneweg, werden nicht gefordert, und dann reicht es international nicht. Aber was tun? Geld ausgeben en gros und dann der Liga noch weiter enteilen? Wem wäre damit geholfen? Dem deutschen Fußball nicht. Das ist eine Entwicklung, die auch die Bayern nicht gutheißen können.

Die Schalker, auch sie Verlierer, haben versucht ebenbürtig zu sein. Aber es blieb beim Versuch, und gerade in der zweiten Saisonhälfte wirkte die Mannschaft wie fremdbestimmt. Vielleicht weil das Finanzmodell den Erfolg bindend vorschreibt. Das Finanzdebakel haben sie noch verhindern können mit der Champions-League-Teilnahme. Aber für den moralischen Anspruch auf Schalke reicht kaum noch Platz zwei.

Und Hertha? Hertha war für mich schon Gewinner vor dem letzten Spieltag. Weil Hertha eine Menge gewonnen hat, was in die Zukunft weist: Kontinuität, Gelassenheit, Reife. Das ist schon alles sehr erwachsen, was die Berliner vorgestellt haben, und es folgt immer noch dem alten Vorsatz, sich Schritt für Schritt zu entwickeln. Die pubertäre Aufgeregtheit der Vorsaison haben sie überwunden.

Ich habe neben den drei fröhlichen Aufsteigern noch zwei Gewinner ausgemacht, die beiden Borussen aus Mönchengladbach und Dortmund. Dass die Gladbacher bei dem Gewese fast die gesamte Saison über, bei allen Fehlern in der Personalplanung überhaupt noch die Liga haben halten können, das ist schon eine erstaunliche Leistung. Ähnlich der, die die Dortmunder auf den Rasen gelegt haben, wo alle nur an Pleite denken. Aber kann man aus diesen Signalen Hoffnung schöpfen? Wohl eher nicht. Weil die wahren Verhältnisse der Saison gestern noch einmal in Stuttgart gebündelt wurden. Der FC Bayern braucht gar nichts mehr zu machen. Der VfB Stuttgart will in die Champions League. Und lässt die Bayern wehrlos siegen. Das wird den Bayern nur für den Augenblick gefallen. Weil solcherart Geschenke in Europa nicht üblich sind.

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