Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Möglicherweise ist es noch etwas zu früh in der Saison, um dem FC Bayern zur Meisterschaft zu gratulieren. Andererseits: Die Variante zehn Bayern gegen elf Gladbacher hat schon mal nicht gefruchtet. Vielleicht schafft neun gegen elf mehr Chancengleichheit? Oder acht gegen elf? Ich schicke noch keine Blumen nach München, aber dass die Münchner Übermacht auch in dieser Saison gewaltig ist, das behaupte ich jetzt schon und fürchte, dass es allein um die Frage geht, ob der Vorsprung 14 Punkte beträgt oder weniger. Im Grunde genommen kann nur Bayern Bayern schlagen: Durch kollektive Unlust im Alltag der Liga und ausschließliche Fokussierung auf die Champions League. Allein: Die mögliche kollektive Unlust bläst die neue Arena von dannen.

Was für Gründe sollte es geben, dass die Münchner nicht schon wieder Meister werden? Dass Schalke in letzter Sekunde von Vernunft gepackt wurde und die neun Millionen für Milan Baros nicht riskierte? Es wird zwar für die europäische Wettbewerbsfähigkeit notwendig, dass die Klubs der Liga sich solche Transfers leisten können, aber noch ist das Geld nicht da. Noch folgt nur Schalkes Einkaufspolitik dem Modell Dortmund. Und ob es sportlich läuft, wenn die Herren strahlend in der Champions League spielen und dann nach Mainz müssen? Vorteil Bayern also.

Zum VfB Stuttgart will man eigentlich gar nichts sagen. Wer Trainer Sammer rauswirft, weil er zu defensiv sei, dann Hleb und Kuranyi verkauft und Trapattoni, den zynischsten Offensivvernichter aller Trainer holt, hat nicht mal Beachtung verdient. Werder ist Tabellenführer, wird solide sein, ruhig und gelassen, ernsthaft, aber nicht konkurrenzfähig für die Bayern, Hertha wird ohne Stürmer sein und mit der anhaltenden Monokultur Marcelinho und der HSV wird Zwischenstation nehmen beim Wiederaufbau und die Balance suchen für den weiteren Weg.

Und dennoch: Wir haben wunderbare Stadien, wir haben Lust auf Fußball, wir haben wunderbare Spieler, auch aus dem Ausland, Tomasson, van der Vaart, Makaay und andere mehr. Der Stoff ist da für eine fröhliche, muntere Saison. Nur spannend wird sie nicht. Die Frage nach der Meisterschaft stellt sich nämlich nicht.

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