Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Dortmunds Smolarek würde auch einen prima Volleyballer abgeben, baggern kann er wie ein Großer. Allein, auf dem Fußballplatz ist diese sportive Übung eine Sache für den Schiedsrichter. Aber Schiri Fandel sah nicht, was alle sahen, und Smolarek erzielte die illegale Dortmunder Führung. Für den westfälischen Frieden war es vermutlich ganz gut, dass Kuranyi fünf Minuten darauf ausglich für Schalke. Und später auch die Führung erzielte. Das wäre sonst heiter geworden, wenn die Schalker Offensive auf die Meisterschaft ausgerechnet im Feindesland und dann auch noch irregulär gebremst worden wäre.

Denn das ist doch der Schalker Plan, endlich den Titel zu holen. Zweiter können sie schon, wer aber so um sich wirft mit Geld, muss mehr wollen. Ach, was war das früher noch für eine heile Welt, als sich Schalker und Dortmunder mit unverhohlener Leidenschaft und mal mehr, mal weniger gleichberechtigt gegenüberstanden. Heute begegnen sich Shareholder, mit dem Unterschied, dass die Dortmunder schon hinter sich haben, was den Schalkern möglicherweise noch droht: Aufstieg. Und Fall. Schalke steht in der Pflicht, in doppelter. Den Titel zu holen, mag vielleicht nur moralische Pflicht sein, dem Glück der Fans geschuldet. Die Qualifikation auch zur nächsten Champions League aber ist wirtschaftliche Pflicht. Das ist gewaltiger Druck, sie können ja mal bei der Borussia nachfragen, wie man ihm auf Dauer nicht standhält und dann mitsamt dem Finanzierungsmodell zusammenbricht.

Aber vor dem Fall erst einmal der Aufstieg. Und den bereitete 04 gestern im Westfalenstadion mit gewisser Souveränität vor. Nicht ganz so souverän wie der Konkurrent aus München, aber doch so ausreichend, dass es wieder zur westfälischen Meisterschaft reichen dürfte. Wer jetzt leichte Skepsis am Schalker Modell rausliest, liest richtig. Ich glaube nicht so recht ans Gelingen. Die Schalker hatten Borussia jederzeit sicher im Griff, das ja, sehr nüchtern, sehr kühl, sehr kalkuliert. Aber irgendetwas fehlte, etwas, was dringend dazu gehört zum Titelgewinn: Leidenschaft.

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