Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Die Friedhöfe sind voll von Leuten, die unverzichtbar sind. Das ist also so eine Sache mit der Unverzichtbarkeit. Ist Marcelinho so unverzichtbar für Hertha, dass man ihm das jeden Tag aufs Neue beweisen muss? Es ist inzwischen fast läppisch festzustellen, dass die Berliner stagnieren auf ihrem Weg zu einem erwachsenen Klub – und Marcelinho, so hat es Trainer Götz angemerkt, benimmt sich wie ein Kind. Soll wohl für die Kollegen heißen, kommt, nehmt ihn nicht so wichtig. Es ist aber leider so, dass Kinder auf dem Hof spielen, es sich in diesem Fall allerdings um Profifußball handelt. Ob es da einer verkraftet, wenn man ihm so eine Fülle von Aufgaben überträgt wie eben Marcelinho? Daran sind schon andere, stärkere Gemüter gescheitert als unser brasilianischer Bub. Und verkraftet es eine Mannschaft, wenn einer der ihren sich alles erlauben darf und Freibrief über Freibrief erhält? Also: Der junge Fathi hat schlecht trainiert diese Woche – er durfte nicht mittun gegen den FC Bayern. Marcelinho hat auch nichts getan im Training, außer einem langen Gesicht wegen seines Streits mit dem Manager – er spielte. Das dürfte registriert werden im Mannschaftskreis. Ich bin mir nicht sicher, ob man das Planungssicherheit nennen kann, wenn das Gesamtgebilde jeden Morgen erst neu schauen muss, welche Laune Marcelinho BSC denn heute hat. Das ist doch eher eine Spekulation auf die Wundertüte.

Wenn man ihm wenigstens eine konkrete Aufgabe geben und ihn wenigstens vom Torschuss befreien könnte. Aber da fehlt es ja weiterhin, ich weiß nicht, warum Hertha keinen Stürmer finden kann. Der große Name ist nicht bezahlbar. Aber muss es der sein, wenn das Fehlen irgendeines Stürmers Marcelinho die Flausen im Kopf weiter wirbeln lässt und das Gefüge durcheinander bläst? Götz dürfte einen Stürmer gefordert haben, aber bekommen hat er ihn nicht. Und doch soll er den Quantensprung schaffen. Eine richtige Basis für eine tiefe Romanze zwischen Trainer und Manager ist das nicht. Was also bleibt, auch nach dieser Niederlage in München? Stagnation. Stagnation ist Rückschritt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar