Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ob es daran liegt, dass selbst nach Genuss von 20 Caipirinhas aus Leverkusen nicht die Copacabana wird? Wahrscheinlich nicht, weil ja nicht nur der brasilianische Teil von Bayer Leverkusen spielt, als sei er wetterabhängig, mal lustvoll, mal och nö, heute nicht. Was macht man mit einer Mannschaft, die vom Personal her alles kann, nur nicht eindeutig sein? Gestern, gegen Schalke, war der Wille zu Spiel, Spaß und Sieg erkennbar. Und das, obwohl die lange Verletzungsliste Alibi genug gewesen wäre für fußballerisches Laisser-faire, wie es Bayer zuletzt in Wolfsburg demonstriert hatte. Aber was sagt das? Im Grunde genommen müsste die engagierte Leistung seiner Mannen Trainer Augenthaler die Zornesröte ins Gesicht treiben. Weil im Engagement keine Hoffnung liegt auf Dauerhaftigkeit.

Was ist los am Rhein? Sie haben gute Spieler aus aller Welt zusammengeklaubt. Sie haben einen Trainer, Klaus Augenthaler, der Weltmeister war und ein Junge aus dem Leben ist. Sie haben Rudi Völler zur Seite, der Weltmeister war und eine Emotionsbombe ist. Das sind fast Münchner Verhältnisse. Und dennoch. Da kabbelt sich Jens Nowotny mit dem Verein, als wolle er Greenkeeper werden wie weiland Lothar Matthäus. Und da verhudeln die Spieler alle ihre Möglichkeiten, wie beim Schalker Gegentreffer. Vom Spieler Augenthaler ist bekannt, wie er auf Kollegen mit mangelndem Willen reagiert hat. Man hätte im Training dann nicht Gegenspieler sein mögen. Als Trainer ist ihm das harte Bein als Sanktionsmöglichkeit verwehrt. Die normalen Trainermaßnahmen, Liebesentzug und Tribünenaufenthalte, scheinen in Leverkusen auch nicht zu greifen. Weil sie niemanden kümmern. Man hat zunehmend den Eindruck, dass Bayer Leverkusen für diese Art von Profifußballer nur eine Durchgangsstation ist. Bleibt die Frage, wie Spieler mit unterentwickeltem Charakter zu einem Trainer passen, der einer der Charakterköpfe des Fußballs ist? Nach der nächsten Niederlage passen sie möglicherweise nicht mehr zusammen.

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