Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Was den FC Bayern betrifft, so hat der gestern endlich einmal verloren. Es wird ihn nicht sonderlich bekümmern, weil es kaum bemerkenswert ist und ihn nicht hindert an der weiteren Alleinherrschaft in der Liga. Bis auf weiteres gibt es zum FC Bayern nichts mehr zu sagen.

Was den Hamburger SV betrifft, so ist wesentlich bemerkenswerter, wie und in welchem Maße er sich emanzipiert hat. Das darf man doch wohl so nennen, nach Jahren, ja fast Jahrzehnten, in denen der HSV eine Hülle war, in der die Vergangenheit vermoderte. Spricht von der noch jemand? Na ja, uns Über-Uwe ist inzwischen tatsächlich ehrenwerte Tradition, aber nicht mehr Vorlage. Der HSV 2005, so blinkt es aus vielen Signalen, hat alles wohl sortiert an seinem gebührenden Platz, die Schwarzweiß-Bilder sind abgehängt und nur noch museal. Stattdessen, auch gestern im Spitzenspiel, das ein richtiges Spitzenspiel war, stattdessen scheinen sie inzwischen zu wissen, was sie tun.

Ganz offensichtlich schaut der Klub mittlerweile zwei-, dreimal hin, wen er ergänzend oder weiterbildend verpflichtet. Jeder, der in der jüngsten Zeit anheuerte in Hamburg, machte Sinn, ist Verstärkung und nicht nur dabei, wie Legionen in den Jahren zuvor. Allen voran der wunderbare van der Vaart, bei dem auch die lächerlichen Störmanöver nicht fruchten. Das spricht für ihn, das spricht für die Mannschaft, dass dieser alberne ständige Verweis der Boulevardblätter auf seine nicht ganz so hässliche Gattin den Blick auf den Job als Profi nicht verstellten. Auch gestern gegen die Bayern war er Star auf dem Platz, ohne Star zu sein.

Und diese erstaunliche Entwicklung des HSV zur Konkurrenzfähigkeit, sie begann mit einem Roulettespiel, der Installation des völlig unbeschriebenen Trainerblattes Thomas Doll. Das war auf Zero gesetzt. Und Zero kam. Glück? Vom gestrigen Gegner Bayern weiß man, dass Glück nicht gleich Dusel ist. Und von dem ist der HSV bei aller Stimmigkeit der Planung noch weit entfernt, selbst wenn er gestern für 90 Minuten weit vorn war. Glück, hat mal ein kluger Mann gesagt, Glück ist Zufall, der auf Bereitschaft trifft. Der HSV ist bereit. Die Liga dankt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben