Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Es war in der 38. Minute gestern im Berliner Olympiastadion. Valdez im Bremer Trikot war alleine durch. Da hetzte ihm ein Berliner nach, holte ihn ein, klärte die ungemütliche Situation. Es war Marcelinho. Marcelinho? Im Dienste der Mannschaft? Bei der Drecksarbeit? Ob das ein Zeichen ist, dass der etwas störrische und eigensinnige Brasilianer die Zeichen des Pantelic-Transfers verstanden hat? Der Stürmer kam, damit Marcelinho nicht auch noch die Tore schießen muss, damit er nicht alles machen muss – und damit er nicht alles machen darf. Und plötzlich passt alles bei Hertha.

Und ich bleibe dabei, auch wenn Hertha gestern die große Chance verpatzte, grundsätzlich ist es, als habe man das Steinchen gefunden, das dem mitunter etwas wackeligen Gebilde Stabilität verleiht. Auf einmal und vielleicht ungewollt wird Marcelinho auf das zurückgeworfen, was er am besten kann, das Spiel machen. Auf einmal macht es Bastürk Spaß, den Ball nach vorne zu spielen, weil da einer ist, der damit auch etwas anfangen kann. Das Führungstor? Bitteschön: Marcelinho gewinnt einen Zweikampf im Mittelfeld, gibt weiter auf Bastürk, der auf Pantelic, der an den Pfosten. Und Dardai durfte auch noch mitmachen und vollenden. Das wirkt seriös, das wirkt solide, ja manchmal sogar schon abgeklärt. So wie sie sich auch der nickeligen Pflicht gegen Nikosia entledigt haben, sachlich, fachlich, so macht man das, wenn man vorankommen will.

Wie’s Gscherr, so der Herr. Sind Töne vom Management zu hören? Das kleine Geplänkel zum Saisonbeginn, als aus der Marcelinho-Schelte seitens Manager Hoeneß’ Führungsschwäche des Trainers Götz abgelesen wurde, es ist irgendwo in die Spree geplumpst und spurlos verschwunden. So macht man auch das, wenn man vorankommen will.

Doch leider aus Berliner Sicht, um wirklich groß zu werden, muss man allerdings die eigene Stärke und die eigene Führung auch über die Zeit bringen. Gefühlte Siege, wie das Unentschieden gegen Schalke und das gestrige Spiel gegen Werder, sind nett fürs Ego. Sie bringen nur keine Punkte. So einfach ist das.

0 Kommentare

Neuester Kommentar