Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Was, wenn der VfB Stuttgart heute tatsächlich in Leverkusen gewinnt? Ist das die Wende, der Weg zum Guten nach dem ersten gelungenen Schritt in Rennes? Ach was, dann wäre nicht mal Ruhe. Weil das nächste Heimspiel kommt und mit ihm der Unmut der Fans über unansehnlichen Fußball und mit dem die nächste Niederlage. Der VfB hat kein Pech, beim VfB läuft es nicht unglücklich, der VfB hat ein Strukturproblem. Und das heißt Trapattoni. Aber eigentlich stimmt das nicht, der Trainer macht den Trapattoni nach bestem Wissen und Gewissen, wie er ihn immer gemacht hat, wie er ihn immer machen wird. All das, was sie in Stuttgart beklagen, unattraktiven Fußball, freudloses Gekicke, sind Markenzeichen dieses Trainers. Das war in München nicht anders, nur die Qualität des Kaders war anders.

Was es über Trapattoni zu wissen gibt, weiß man, selbst wenn man sich nur entfernt im Fußball bewegt. Vielleicht ist dieses Wissen nie bis Stuttgart gedrungen. Aber hat man nicht geredet miteinander? Sammer hat man gefeuert, weil fröhliche Offensive mit ihm nicht zu haben war. Dann holt man Trapattoni, mit dem fröhliche Offensive nicht zu haben ist. Sammer haben sie entlassen, weil dessen Planung zu langfristig war und dem ungeduldigen Stuttgarter Großmannsglauben widersprach. Dann holt man Trapattoni, der ständig klagt, er brauche Zeit, bis die Spieler seine Philosophie umsetzen und in Erfolge wandeln können. Man müsse Geduld haben, ja, ja, die gleichen Worte, ein anderer Herr, alles vorhersehbar.

Wie es aussieht, war nur Zufall, dass Felix Magath seinerzeit mit viel Geschick und noch mehr Glück aus einem Jugendteam eine veritable Mannschaft formen durfte. Seitdem ist nicht mehr viel Konzeptionelles zu erkennen in Schwaben. Jung und wild war diese Mannschaft. Die Jugend vergeht, und die Wildheit? Mit Sammer, der wild gestikuliert, aber pedantisch spielen lässt? Das ging nicht. Und das alles ist auch unter Trapattoni nicht zurückzuholen. Trapattoni und der VfB, das ist nicht einmal ein Missverständnis. Ein Missverständnis setzt voraus, dass man geredet hat. Man hat wohl geschwiegen. Und jetzt ist das Geschrei groß.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel die Bundesliga.

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