Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Was hat der FC Bayern, was die anderen nicht haben? Oder anders gefragt, was hat er nicht? Er hat nichts in sich, was 0:6 verlieren ließe. Die Münchner verlieren auch Spiele, aber keins 0:6. Niemals. Nie. Und wenn doch, bleibt die Erde stehen. Warum das so ist? Weil es sich nicht gehört. So einfach ist das. Kein Fußballspieler auf der ganzen weiten Welt würde sich im Trikot der Münchner derart gehen lassen, sich aufgeben, sich verlieren und allen fußballerischen Anstand fahren lassen. Und deswegen schlampen die Münchner vielleicht einmal, aber kaum zweimal hintereinander.

Schalke ist da anders, ganz anders. Eine Trotzreaktion erwartete Manager Assauer nach der Vernichtung in Frankfurt. Ja, die bekam er, gestern, als es gegen den souveränen und breitbrüstigen HSV ging, nämlich die Reaktion eines trotzigen Kindes, das sich verweigert, weil es Angst hat vor der eigenen Courage. Schalke ist in seinen Grundfesten erschüttert, Schalke lässt die Schultern hängen, spielt den verhuschten Sicherheitspass und bringt nicht mal den an den Adressaten. Auf Schalke scheint keiner mehr zu wissen, in welchem Aggregatzustand er sich befindet.

Wie auch? Die Himmelsstürmer, die mit viel Geld die Bayern jagen sollten, sehen da unten in der Hölle den Himmel nicht mal mehr. Sollen sie sich, die doch ein Starensemble bilden, jetzt an Wolfsburg orientieren, am – ohne Wolfsburg zu nahe treten zu wollen – Mittelmaß? So wird es wohl sein, und nun kommt zum Entsetzen noch Frust hinzu wie bei Poulsen, der nun erst einmal zuschauen muss.

Ob es daran liegt, dass sie die Bayern in erster Linie jagen sollten und erst in zweiter Linie wollten? Daran, dass der Erfolg per Finanzmodell verordnet ist? Das verringert ja nicht den Druck, immer zu hören, dass Siege nicht nur erfreulich sind, sondern wirtschaftlicher Zwang. Wer sind wir, was sind wir, wo gehören wir hin, die alten Menschheitsfragen – auf Schalke hat derzeit keiner eine Antwort darauf.

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