Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ein Befreiungsschlag, wie sie ihn sich erhoffen in Stuttgart, sieht anders aus. Eine Halbzeit gegen zehn Spieler des FC Bayern nach Deislers dummem Tritt, und dann doch nur ein kümmerliches Unentschieden, und das auch nur, weil der FC Bayern die Mitarbeit an einem Fußballspiel verweigerte – ein Ende der Freudlosigkeit beim VfB Stuttgart ist damit nicht zu gewinnen. Die Agonie, die leidenschaftslose Irritation, mit der der VfB sich durchs Mittelfeld der Tabelle quält, setzt sich nur fort. Eine Packung für den FC Bayern, wie sie Ljuboja versprochen hatte, ja, vielleicht hätte sie ein paar Verknotungen platzen lassen. Aber erstens: Eine Packung gegen den FC Bayern? Mhm. Vielleicht dann einmal, wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen. Und zweitens: Können systemimmanente Verknotungen überhaupt platzen? Das System heißt Trapattoni, und mit diesem Trainer ist freudvoller Fußball nur dann zu haben, wenn zu Weihnachten und Ostern auch noch Silvester dazukommt.

Ach, fast tut er einem schon Leid, der feine Signore. Denn das ist er ja, wie man auch gestern in Stuttgart gesehen hat in der herzlichen Freude, mit der ihn seine alten Münchner Freunde begrüßt haben. Ein feiner Herr und auch ein guter Trainer, ein erfolgreicher Trainer, aber ein italienischer Trainer. Der ist in die italienische Fußballphilosophie hineingeboren worden, ist damit aufgewachsen, hat sie geprägt und vertieft. Nicht verlieren, das ist das oberste Prinzip dieser Schule, und das ist für andere Augen außer italienische grausam anzusehen, das hat seinerzeit in München die Leute aus dem Stadion getrieben, das treibt jetzt die Stuttgarter auf die Palme, aber nicht auf die Ränge. Er wird sich nicht mehr ändern, ältere Herren ändern sich nicht mehr, ich weiß, wovon ich rede.

Das hätte man zwar alles wissen können vor seiner Verpflichtung, und vor allen anderen hätte Trapattoni selber wissen können, dass sein System hier nicht gefragt ist. Aber nun ist er da, und wie wird man ihn wieder los, mit all der Würde, die ihm zusteht? Selber quittieren, nein, das ist in Trapattonis Lebensplan nicht vorgesehen. Was dann? So groß wird die Freude bei seinen Kritikern in Stuttgart nicht gewesen sein, dass der VfB im Uefa-Cup in Saloniki gewonnen hat. Und nun ein Remis gegen Bayern. Das ist zu wenig, um mal lachen zu können. Und zu viel, um einen Irrtum auf anständige Weise zu korrigieren. Agonie in Schwaben.

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