Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Schalke versus Dortmund, das 127. Derby. Derby? Ach was, Schalke gegen Dortmund, das ist inzwischen einfach nur ein Bundesligaspiel zweier Mannschaften aus benachbarten Städten. Es gibt da nicht allzu viel nachzuweinen, das alte Palaver vor diesen Spielen war ohnehin nur inszenierte Folklore, und den letzten Vertreter der palavernden Sorte hat Schalke in der Winterpause abgewickelt. Ohne Rudi Assauer verströmt Schalke sogar so etwas wie eine seriöse Aura. Und die Dortmunder haben sich andererseits ja in die Flausenfreiheit gewirtschaftet, gezwungenermaßen kann der BVB gar keine großen Sprüche und Sprünge mehr machen.

Unterschiede gibt es doch. Schalke muss gewinnen, die Borussia darf Siege als nette Dreingabe verbuchen. Die Dortmunder schauen verschämt und etwas ungläubig auf einen Uefa-Cup-Platz, auf Schalke ist die Teilnahme an der Champions League verordnet. Zu merken war davon gestern allerdings nichts. Um es einmal deutlich zu sagen: Es war ein grottenschlechter Kick. Von der Dortmunder U-18-Auswahl erwartet man ja nicht viel mehr, die ist stetig bemüht, nur noch nicht erwachsen. Aber Schalke? Sagen wir mal so: Schalke wirkte, als sei die Mannschaft im Übergang. Im Übergang zum Mittelmaß. Wahrscheinlich färbt das automatisch ab: Die Vereinsspitze weiß, dass Trainer Slomka eine Übergangslösung ist, die Fans wissen es, Trainer Slomka selbst weiß es auch, es ist nur leider so, dass die Spieler es auch wissen. Dieses Wissen scheint ihnen nicht zu helfen. Das musste gestern schon Schiedsrichter Kircher besorgen, der den Dortmundern einen eindeutigen Elfmeter verweigerte.

Woran es liegt, dass die erstklassig besetzte Schalker Mannschaft nicht ins Laufen kommt? Warum erfüllen die für viel Geld zusammengekauften Spieler nicht einmal ansatzweise ihren Auftrag, den FC Bayern zu jagen? Vielleicht liegt es einfach auch daran, dass mit der erfreulichen Vertreibung der Folklore in aller Nüchternheit auch noch etwas anderes Wesentliches mit verscheucht wurde: Leidenschaft.

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