Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Sagen wir es so: In Ansätzen hatte es etwas mit Fußball zu tun, was Hertha gestern gegen Schalke zeigte. Ansätze reichen nicht, Ansätze wirken ein wenig wie das vernichtende Arbeitszeugnis: Müller hat sich stets bemüht. Marcelinho gestern auch, aber sollte nicht mehr von ihm kommen? Erst recht, nachdem die Mannschaft sich für ihn ausgesprochen hat. Man könnte diese Solidaritätsadresse allerdings auch anders interpretieren: Man kann sich nämlich auch prima hinter Marcelinho verstecken, für ein feines Alibi für eine schlechte Mannschaftsleistung ist der Brasilianer auch in lustlosester Form gut. Nur, was hat das mit Fußball zu tun, mit dem Mannschaftssport Fußball?

Davon scheint Hertha weit entfernt zu sein, spricht man von Hertha, spricht man von Einzelfiguren. Das heißt, man spricht immer nur von einer Einzelfigur. Hat er Lust, hat er Laune, und dass er drei Stunden beim Friseur verbracht hat, auch das ist ein Thema. Hertha als Mannschaft ist es eher nicht. Das war ja eine putzige Aktion in der Winterpause, als die Spieler Besinnungsaufsätze für den Verein schreiben sollten. Offensichtlich aber lag das Bedürfnis vor, weil es mit der Identifikation nicht sehr weit her zu sein scheint. Wenn fünf Spieler sich in drei Spielen mit Undiszipliniertheiten davonmachen, dann zeigt das nur bedingt ihren erhöhten Einsatzwillen. Dann zeigt das vor allem, dass sie sich nicht scheren um den mannschaftlichen Zusammenhalt. Und keiner da, der irgendeine Linie vorgibt. Dass eine Fußballmannschaft eine Hierarchie braucht, ist keine neue Erkenntnis des Fußballwissens, Hertha aber hat keine, Hertha hat einzelne Spieler und einen Superstar, der nicht oder selten funktioniert. Wer aber ist zuständig für den inneren Zustand einer Mannschaft? Womit wir bei Trainer Falko Götz wären, der sich diesen Fragen zumindest stellen muss. Der immer noch erstrebte Uefa-Cup-Platz ist kein tolles Ziel, aber kein Uefa-Cup-Platz ist eine Katastrophe. So dicke hat es Hertha ja bekanntlich nicht, dass der Verein auf diese Einnahmen verzichten könnte. Sie sind stark gefährdet. Zumindest gedanklich dürfte das Arbeitszeugnis für Götz schon geschrieben sein: Er hat sich stets bemüht.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel in jeder Sonntagsausgabe die Bundesliga.

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