Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

In Wolfsburg sangen gestern die Hamburger schon in der ersten Halbzeit, dass nur ihr HSV Deutscher Meister werde. In München, wo heute Schalke die Bayern zum Gipfel trifft, reklamierten ein paar früh angereiste Schalker den Titel bereits am Freitagabend für sich. Gut, nur in der Kneipe, stimmlich bedenklich und angestachelt von dem einen oder anderen Liter. Aber sollte wirklich noch eintreten, was undenkbar schien, sollte der FC Bayern doch noch die Meisterschaft verschludern? Schalke und der HSV zumindest sind für ihren Teil auf der Hut.

Den Rest müssten indes die Bayern besorgen. Ein paar Indizien sind zu finden, dass sie genau das machen. Da ist einmal die Einstellung. So furchtbar witzig ist es womöglich nicht, als Loser der Saison dazustehen, obwohl der Titel gesichert schien, obwohl vor der Finalteilnahme im Pokal nur noch die überschaubare Hürde St. Pauli steht. Was zählt schon das Double in München, im Grunde verursacht es nur Kosten, weil schon wieder der Briefkopf geändert werden muss. Aber eben nur aus Routine und nicht aus Freude über den Champions-League-Titel.

Dann ist da die zunehmend schlechte Laune des Oliver Kahn, der zu spüren scheint, dass die Götterdämmerung herannaht und Jens Lehmann heißt. Da ist Michael Ballack, der kaum noch Spaß daran haben dürfte, die ungeliebte Rolle als Stratege zu geben, nachdem ihm doch Chelseas Mourinho schöne Augen gemacht hat und die Nummer Acht des torgefährlichen Mittelfeldstürmers offerierte. Und dann ist da etwas, was unter einem Trainer Magath eigentlich nicht vorstellbar ist, aber dennoch zu beobachten. Sind die Bayern wirklich fit? Ja, ja, aber was ist das für eine Fitness, der die Spritzigkeit fehlt und die Fröhlichkeit, das aber immerhin neunzig Minuten lang? Schalke und der HSV sollten in der Tat auf der Hut sein.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert in jeder Sonntagsausgabe im Tagesspiegel die Bundesliga.

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