Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Vielleicht ist ihnen ja selber langweilig, das scheinbare Naturgesetz mal wieder zu erfüllen. Das Naturgesetz? Der FC Bayern wird Meister, und wenn er es auch an diesem Wochenende noch nicht geworden wäre, dann wäre er es doch mit großer Wahrscheinlichkeit am nächsten Wochenende geworden. Und nun haben die Münchner – super, toll, grandios, unfassbar – das Double aus Titel und Pokal verteidigt. Das hat es ja noch nie gegeben, und das ist aber auch so etwas von viel wert. Nämlich gar nichts. Es ist halt nur noch ein Rekord, den die Bayern einheimsen. Und es ist der erneute Beleg, dass dieser FC Bayern mit der Liga nichts zu tun hat. Er ist ihr entwachsen, und dass dies überhaupt noch ab und an mal in Frage gestellt werden kann, liegt allenfalls an ihnen selber, an Arroganz, Lustlosigkeit, Pomadigkeit, wovon sie gestern in Kaiserslautern jede Menge zeigten. Es ist bezeichnend für den Zustand der Liga, dass die Bayern mit einer völlig indiskutablen Leistung an diesem Spieltag den Titel holten. Sie hätten auch verlieren können auf dem Betzenberg, die Konkurrenz, die keine ist, macht’s möglich.

Das ist die eine Hälfte der Wahrheit, die andere ist die, dass es international nicht reicht. Das wissen sie, da sind sich alle Beteiligten einig. Die Frage allerdings, wie dieses Defizit auszugleichen ist, die wird in München unterschiedlich beantwortet. Trainer Felix Magath meint, er könne dies mit Bordmitteln schaffen, zu denen der eigene Nachwuchs gehört, der eine oder andere bessere Kicker aus der Bundesliga und vor allen Dingen viel, viel politische Korrektheit, den finanziellen Irrwitz im restlichen Europa nicht mitzumachen. Seine Chefs sehen das anders, und sie sehen es realistisch. Ohne dass sie mal ganz, ganz tief in die Tasche greifen, um auch mal wirkliche Weltstars an die Isar zu locken, wird sich am Status nichts ändern. Ein Lucio ist zu wenig.

Darüber hinaus wird man sich in München die Frage stellen, warum diese Bordmittel so wenig inspiriert und spritzig daherkommen. Von kommunikativen Störungen zwischen Trainer und Mannschaft ist ja schon zu hören gewesen, und auch davon, dass die Bayern eigentlich nicht angetreten waren, um irgendwelche Volksläufe zu gewinnen. Fit sind sie ja, die Münchner, aber flott Fußball spielen geht anders. Man muss kein Prophet sein und auch nicht sehr investigativ, um das eine oder andere grundsätzliche Gespräch in der Bayern-Chefetage vorherzusagen.

Die 20. deutsche Meisterschaft, Glückwunsch dazu. Dann wird die 21. kommen und die 22., und der FC Bayern München wird auf der Stelle treten. Oder aber sie hören auf, das vorhandene viele Geld nur zu zählen. Wenn sie es ausgeben, dann werden sie zwar auch wieder Meister und Pokalsieger, aber vielleicht dann nicht deshalb, weil nichts anderes möglich ist.

Der Fernsehreporter Marcel Reif kommentiert im Tagesspiegel die Bundesliga.

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