Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Natürlich gibt es eine Kaiserslauterer Gerechtigkeit. Und es gibt eine Wolfsburger Gerechtigkeit. Objektivität? Hmmh, die ist schwer zu haben im Fußball. Nach der Wolfsburger Gerechtigkeit hat der 1. FC Kaiserslautern in der Bundesliga nichts mehr zu suchen. Was für ein finanzielles Desaster wurde dort in der Vergangenheit herbeigewirtschaftet, mitunter ja auch mit juristisch verwertbarer krimineller Energie. Vier Trainer dilettierten auf dem Betzenberg, und dass nun die Jugend forscht im Team, folgte ja auch keinem Plan, sondern der Not.

Andererseits, was hat der VfL Wolfsburg dort zu suchen, wo die Erwachsenen Fußball spielen? Ein paar Gesetzmäßigkeiten gibt es doch schon bei der Vereinsführung, bei der Mannschaftsführung und beim Mannschaftsaufbau. Gegen die haben sie fast schon klischeehaft verstoßen in Wolfsburg. Der Klub aus der Retorte? Ja, ja, man kann es kaum noch hören. Aber tatsächlich scheint ja eine im Reagenzglas erfolgte Planung des Erfolges nicht möglich zu sein. Der andere Grund der Misere, an deren Anfang zu Saisonbeginn noch das Gefasel von der Champions League stand? Fehler, lang zurückliegende Fehler, die aber atmosphärisch noch nachwirken, aktuelle Fehler. Wer sich einen alternden Effenberg ins Spiel holt, signalisiert zumindest auf lange Zeit, dass es ihm um Zirkus geht und nicht um Ernsthaftigkeit. Fünf Argentinier haben sie sich in den Kader engagiert, hat ihnen denn keiner gesagt, dass so etwas eine kontraproduktive Fraktionsbildung nach sich zieht?

Man könnte ja sagen, dass es tröstlich ist, wenn Fußball als Marketingmaßnahme eines Konzerns sich der Kontrolle der Controller entzieht. Aber wenn die Retorte doch gewinnt? Ist es von irgendeiner Bedeutung, ob Wolfsburg in der Ersten oder der Zweiten Liga spielt? Nein, kaum. Aber die Pfalz wird nun darben, da wird das schönste Zweitligastadion der Welt nichts daran ändern. Der 1. FC Kaiserslautern, der Klub meiner Jugend, ist draußen. Der Betzenberg weint. Und das ist, in aller Objektivität, furchtbar ungerecht.

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