Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Werder gegen Bayer, das war ein Kronprinzenduell. Die sind beide hungrig, die zeigen Lust am Spaßfußball, und das haben sie den Bayern voraus.

In Bremen aber bin ich richtig verliebt. Die leisten eine faszinierende Arbeit, sind bestens aufgestellt, und zwar auf allen Ebenen, das gilt nicht nur für die Mannschaft. Da weiß jeder, was er zu tun hat, und vor allem auch, was nicht. Klare Ämtertrennung, gesunde Hierarchie: So führt man einen Klub.

Man muss sich doch nur mal überlegen, wen die alles verloren haben in den vergangenen Jahren, an Schalke, an Bayern. Ismael weg, Pizarro weg, Ernst, Krstajic, der alte Ailton – alle weg, und immer hat Werder das weggesteckt, sich sogar noch verbessert. Die suchen nicht einfach einen neuen Micoud, sondern schauen, wo sie Schwächen haben, wo sie sich verstärken können. Und dann hauen sie eben auch mal richtig was raus, um einen wie Diego zu holen, der dann gleich wieder so gut passt: Hacke, Klose – toll. Ach ja, Klose. Die einzige Frage bei Werder ist: Wann fällt der mal ins Loch? Irgendwann muss das doch kommen, zumal nach einer so kurzen Regeneration. Aber es kommt einfach nicht.

Ich kenne jedenfalls in Europa keinen Verein, der mehr aus seinen Möglichkeiten macht. Am Modell Werder könnten viele gesunden. Die investieren in Beine, nicht in Steine, da gibt es keinen Aufstand, wenn sie Zweiter werden, und sie machen etwas aus ihrem Erfolg. Wie schwierig das ist, kann man ja an Dortmund sehen, die wollten ja gleich für immer die Bayern hinter sich lassen.

Und Bayer? In Bremen verlieren ist wie in München verlieren. Kein Anlass für Selbstzweifel oder gar eine Krise, die bleiben unter den Besten. In diesen Verein ist Ruhe und Konstanz eingekehrt. Früher, unter König Calmund, war Bayer unberechenbar, da machten ja alle nur, was sie wollten, nicht, was sie sollten. So dümpelte die Mannschaft am Ende unter ihren Möglichkeiten im Mittelmaß herum. Heute ist von Bayer wieder richtig guter Fußball zu erwarten, und darüber freuen sie sich nicht nur in Leverkusen. Das Naturgesetz „Bayern wird Meister“ gilt nicht in dieser Saison.

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