Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ist das nun niedlich, was dort in Aachen am Tivoli passiert? Fußball in 1,50 Meter Abstand vom Zuschauer, Zuschauer, die zum großen Teil im Freien stehen, sie stehen wirklich, sie stehen nicht nur mal kurz auf von ihren Sitzen bei heiklen Situationen, sie stehen immer. Und in den Ecken, auf Werbebanden, die sich nicht drehen, werden die Printen beworben, das lokale Lebkuchengebäck. Das ist, na gut, alles tief provinziell, und wenn dann noch Borussia Mönchengladbach aus dem S-Bahnbereich anreist, dann atmet so ein Spiel eine Menge alten Oberligageist. Schön ist das, und es riecht nach Erbseneintopf mit Bockwurst.

Es ist auch, hier wie dort, wunderbar realistisch, flausenfrei, und wenn irgendjemand in Gladbach Flausen pflegte, weil der Trainer Jupp Heynckes vom alten Ruhm kündet, dürften die nach der Niederlage bei der Alemannia vertrieben sein. Gut so, denn hier wie dort kann es nur gelingen, wenn dem Möglichen vertraut wird und nicht dem Erträumten. Die Verhältnisse, sie sind halt so, und wie sie sind, haben die Aachener gerade erlebt, als sie nicht mithalten konnten, wenn selbst ein Klub wie Hannover 96 Alemannias Trainer kriegt. Es ist aber auf der anderen Seite ein Zeichen großer Stabilität und innerer Gelassenheit, dass Mannschaft und Verein und Fans und Umfeld diesen doch recht spektakulären Wechsel nach nur drei Spieltagen lamento- und resignationsfrei wegstecken. Es sind eben nicht die Sphären, in denen sich die Bayern bewegen oder die Schalker. Allerdings, die paar rassistischen Idioten auf den Aachener Rängen, die sollten sie schnellstens loswerden.

Und in Gladbach sind die Verhältnisse eben auch halt so, und wie sie sind, hat Trainer Heynckes nach der ersten verkorksten Halbzeit vorgeführt, als er den vorab gepriesenen Insua ersetzte durch einen jungen Mann, Johannes van den Bergh, der noch nicht einmal zum Profikader gehört. Es hat zwar am weiteren Spielverlauf nichts geändert, aber, schaut her, heißt das auch, das ist es, was wir haben, das ist es, was wir vermögen, und das ist nicht viel, sorry, aber so ist es. Niedlich also alles, hier wie dort? Eigentlich ist es doch das Original des Fußballs.

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