Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

37 Minuten war die Liga gestern ohne ein Tor, über eine halbe Stunde. Kurios? Oder Zeichen von Erlahmung, von der Österreichisierung des deutschen Vereinsfußballs? Kommt dann auch bald die Hosenwerbung? Man muss mit dem Schlimmsten rechnen, allein der Blick auf die Tabellenspitze dokumentiert den derzeitigen Zustand in der Liga: Am Freitag wurde Mönchengladbach Tabellenführer und löste Hertha BSC ab, was seinerseits den 1. FC Nürnberg ablöste. Doch, doch, das zeugt schon alles von großer Güte.

Und die Großen, die, die doch den Ton zumindest mitbestimmen wollten, der Hamburger SV etwa oder Werder Bremen? Die zanken sich untereinander wie die Kesselflicker, die sind neidisch, eifersüchtig, die stecken in tiefen Krisen. Was ist da los im Norden? Zerfahren war das gestrige Spiel zwischen beiden, durcheinander, verwirrt. Eben so, wie sich beide Mannschaften derzeit in Permanenz präsentieren. In Hamburg sind sie schon gemeinsam Bier trinken gegangen und haben Sushi verspeist, auf dass sie sich doch endlich mal verstehen. Was schwierig ist bei acht Sprachen und dreizehn Nationalitäten im Kader. Und gewiss nicht leichter wird nach dem Unentschieden und der Sperre für Mahdavikia. Und in Bremen zieht nur noch die Weser ruhig ihre Bahn, ansonsten ist Werders in Jahren erprobte Gelassenheit, mit der noch jedes Schicksal weggesteckt wurde, ganz urplötzlich kein Bremer Recht mehr. Da zankt Klose mit Klasnic, Frings mit Diego, da ist kein Chef gekürt worden nach Micouds Weggang, da hängt der Haussegen gewaltig schief. Was für Unterschiede zur vergangenen Saison. Sollten die Duos Doll/Beiersdorfer hier und Schaaf/Allofs da einfach unterschätzt haben, dass sie es letztendlich doch auch nur mit Fußballern zu tun haben, denen Eigennutz vorgeht? Sie täten gut daran, schnellstens zu ihren alten Tugenden zurückzukehren, zur Bremer Gelassenheit, zur Hamburger Unbekümmertheit.

Die Bundesliga 2006. Immerhin setzte sich gestern der FC Bayern München an die Spitze. Das kann sich heute wieder ändern, falls Cottbus vorbeizieht. Und dann kommt die Hosenwerbung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben