Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Die Frage, wie die Hertha eigentlich an die Tabellenspitze gekommen ist, lässt sich nach dem gestrigen Spiel in München wohl nur so beantworten: zufällig. Das war ja furchtbar aus Berliner Sicht, wie leichtfertig sich Hertha lange Zeit vorführen ließ, keine Idee, kein Plan, kein Zweikampfverhalten, nur ehrfürchtige Bewunderung für die vermeintliche Kunst der großen Stars. Dabei haben die bisher in dieser Saison dergleichen noch gar nicht gezeigt. Oder auch: Das wurde jetzt mal Zeit, dass die Bayern ein Spiel abliefern, das ihrem Kader wenigstens ansatzweise gerecht wird.

Es grummelt nämlich gewaltig bei den Münchnern, von purer Freude und Heiterkeit ist wenig zu spüren. Die Chefs und ihr Trainer sind sich offensichtlich nicht mehr ganz grün, weil Magath sich nicht ausreichend gewürdigt fühlt. Na ja, vier Titel in zwei Jahren sind ja auch eine ganz hübsche Leistung. Aber, hallo? Vor diesem Spiel gegen Hertha Harmlos hatten die Bayern zehn Punkte aus sechs Spielen, sieben Tore, von denen der fulminante Sturm tolle drei erzielt hat, und dann von dieser Hertha auch noch einmal gefährdet zu werden – das ist wohl nicht das große Rambazamba, das man sich in der Führungsetage wünscht. Wie zu hören ist, ist die Kommunikation zwischen Manager Hoeneß und dem Trainer empfindlich gestört, was man glauben mag: hier der leidenschaftliche Hoeneß, dort der oft griesgrämige Magath, der seiner Umgebung in der Tat auch mit einer Attitüde begegnet, mit der ich schwer umgehen kann. Das Theater um Podolski und dessen bisherige Rückstufung wegen eines Überangebots an gleichartigen Stürmern ist da nur ein Beispiel. Vier gleichartige Stürmer? Ja, stimmt, aber haben die Kölner die Münchner mit vorgehaltener Waffe zur Verpflichtung gezwungen? Dann das Gerede unter der Woche, er, Magath, müsse den jungen Mann schützen und ihn auf die Bank setzen. Aha, ein interessanter pädagogischer Ansatz. Aber nun hatte er ja ein Einsehen, eine Erleuchtung, vielleicht auch eine Direktive. Und siehe da, Podolski spielte gut, phasenweise sehr gut, und zum ersten Mal in dieser Bundesligasaison machte es ab und an mal Spaß, den Bayern zuzuschauen. Zur Befriedung wird das ab und an nicht reichen.

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