Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Es ist wohl nicht zu übersehen, die Bayern wollen wieder mitreden. Das ist zwar kein Zauber, den die Münchner verbreiten, auch gestern nicht beim Gipfeltreffen mit dem VfB Stuttgart, aber Wille. Und der, gepaart mit Kampfkraft, ist ja nicht die dümmste Voraussetzung für ein gutes und erfolgreiches Fußballspiel. Wenn sie nun noch begreifen, dass dergleichen auch hilfreich ist, wenn es mal nicht in die Champions League oder gegen den Tabellenführer geht, könnte die etwas holprige Saison der Bayern sogar noch geglättet werden.

Und der VfB, der überraschende, fröhliche, freche, frische? Der muss nicht stolpern wegen der Niederlage in München, da gibt es keinen Grund für. Die Stuttgarter haben ja nun alles gelernt, was es braucht, nämlich, wie man es nicht macht und wie man es macht. Der untaugliche Versuch, das war die in unschwäbischer Großmannssucht betriebene Installation des vermeintlichen Weltmannes Trapattoni. Das Ergebnis war ein Scherbenhaufen. Das taugliche Experiment, das war die Beförderung des ehemaligen Spielers Horst Heldt zum Manager. So gut macht der seine Sache, dass der Kollege Uli Hoeneß ihm schon bewundernd eine große Zukunft in diesem Job prophezeit hat. Vielleicht auch, weil er sich ein wenig selbst in Heldt sieht, damals, als er als Jungspund mit 27 Jahren sein Amt antrat. Viele Fehler hat sich Heldt bisher noch nicht geleistet, eigentlich gar keinen. Es war genau richtig, Trapattoni eine schöne Zukunft zu wünschen, und zwar in dessen Heimat Italien. Es war auch genau richtig, auf einen Trainer zu setzen, Armin Veh, der alles mögliche verbreitet, nur nicht Glanz und Gloria. Und es war auch eine treffliche Maßnahme, die Mannschaft rundzuerneuern und dabei auf einen offensichtlich denkmalgeschützten Übervater wie Soldo zu verzichten. Sechs neue Spieler hat Heldt geholt, mit gutem Auge für das Notwendige und klugem Blick für das Zukünftige, fünf von diesen noch sehr jungen Männern spielen in der Stammelf, das darf man wohl eine brillante Personalpolitik nennen. Und weil er dann dem in Stuttgart traditionell redseligen und traditionell inkompetenten Umfeld in der Vereinsführung das Mitspracherecht verweigerte, steht der VfB so da, wie er dasteht. Glänzend, mit erhobenem Haupt und breiter Brust. Auch nach der knappen Niederlage in München.

0 Kommentare

Neuester Kommentar