Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Gut, gut, Werder Bremen hat gestern Hertha BSC zeitweise aus den Schuhen gespielt. Aber das war ja allenfalls in der Eindeutigkeit überraschend, Werder ist halt zur Stunde die Mannschaft der Stunde. Und das Champions League-Spiel in Barcelona schaue ich mir ganz genau an, das gebe ich noch nicht verloren für die Bremer. Ich vermute eher, dass die Katalanen schwer ins Grübeln gekommen sind, als sie gestern Miroslav Klose haben agieren sehen. Und mit was? Mit Recht, Klose ist Weltklasse, absolute Weltklasse.

Die Hertha muss sich jetzt nicht grämen, auch wenn das gestern nun wahrlich nicht gut aussah mit all den individuellen Fehlern und Unzulänglichkeiten. Will sagen: Hertha und Werder sind auf gutem Weg, Werder nur schon länger und auch deshalb weiter. Der Weg hat ein Motto und das lautet: nur nicht aufregen. Werder hat es vorgemacht, seitdem der, nun ja, wuselige Manager Lemke nicht mehr im Amt ist, und niemand mehr zu glauben scheint, an den FC Bayern München dauerhaft heranreichen zu können. Sie wissen, dass sie an der Weser nicht Real Madrid werden, nicht der FC Barcelona, und nicht die Bayern, aber sie wissen auch, dass sie alle ärgern können, und vor allen Dingen wissen sie, wie. Sie, das sind Trainer Schaaf, Manager Allofs, die agieren in etwa in der Klasse, in der Klose spielt. Wie hieß noch gleich der Franzose, der in den vergangenen Jahren das Bremer Spiel dominierte? Mi... Mi..., ach ja Micoud. Der ist weg, vergessen, weil sie ihn eben ebenbürtig ersetzt haben durch Diego. Und so geht das schon seit Jahren, Gelassenheit prägt die Arbeit und die normative Kraft des Möglichen.

So weit ist Hertha noch nicht. Aber wie gut die Unaufgeregtheit tut, ist an der Kontinuität abzulesen. Schritt für Schritt und nicht nach dem großen Bissen schnappen, an dem sich schon Dortmund verschluckte und Schalke schwer würgt. Seitdem sich Hertha ebenfalls nicht mehr an den Bayern orientiert, geht es aufwärts. Gewiss, es wird auch wieder aufgeregte Zeiten geben in Berlin, weil die Hauptstadt eben etwas hysterischer ist und irgendwann auch mal ein Titel hermuss. Aber bis dahin kann aufgebaut werden. Und nach Bremen geschaut werden. In Bremen muss gar nichts. Von Werder kann man nur lernen. Und zwar siegen.

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