Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Es ist wohl unumgänglich, zur Bewertung der Bundesliga-Hinrunde erst einmal das internationale Geschäft zu betrachten. Und da ist es wie seit vielen Jahren: Das Gros der Bundesligaklubs verabschiedet sich von dieser Bühne, noch ehe der erste Schnee fällt. Das geschieht mit unschöner Regelmäßigkeit, da muss es wohl noch eine andere Realität geben neben der der schönsten Stadien, der traumschönsten Weltmeisterschaft, des kollektivsten Rausches mit seiner herrlichsten Stimmung. Und diese Realität bildet leider die Liga als reichlich mediokre Versammlung ab. Noch ein Beleg, dass es hierzulande mit dem Fußball immer noch nicht wieder zum Besseren gestellt ist? Bundestrainer Jogi Löw sprach dieser Tage von einer „goldenen Generation“, die da heranwachse, die Podolskis, Schweinsteigers, Lahms. Wie bitte? Goldene Generation, darüber freuen sich eigentlich die fußballerischen Schwellenländer, weil sie beschenkt wurden durch eine Laune des Schicksals. Wenn aber das achtzigmillionenköpfige Fußballland Deutschland sich über Gottesgeschenke freuen muss, liegt etwas im Argen.

Und wo bleibt das Positive? In Bremen, bei Werder, wo die Kraft in der Ruhe liegt, der Erfolg in der Kontinuität und die Freude auf dem Platz. Gewiss, Werder ist raus aus der Champions League, aber sie waren auch in der mit Abstand schwersten Gruppe, und es spricht nicht gegen das Team, wenn es ein paar Tage nach der bitteren Vorführung von Barcelona in Frankfurt aufspielt, als gäbe es keinen Gegner.

Erfreulich ist auch der VfB Stuttgart, der die eigenen Mittel ausschöpft und ein bisschen da weitermacht, wo Felix Magath einst aufhörte: mit jugendlichem Elan und ohne Flausen. Mal sehen, wie lange das hält.

Und Magath selbst mit seinen Bayern? Es scheint weiterhin, als wollten sie in München nur das große Erbe verwalten, das war zu oft Dienst nach Vorschrift, dass das immer noch reicht für die Spitzengruppe – bitte schön, siehe oben: die Liga als mediokre Versammlung. Persönlich indes dürfte das nicht ungefährlich sein für Felix Magath. Der FC Bayern hat sich schon einmal in aller Freundschaft von einem Trainer getrennt, Giovanni Trapattoni hieß der, der ihnen das Stadion leer zu spielen drohte. Dabei hat Bayern den besten Kader, trotz Schwachstelle an zentralem Platz, und wenn der auch noch gut spielt, reicht der Dienst nach Vorschrift, um oben zu stehen. Wahrscheinlich können sie sich ja bald ganz auf die Meisterschaft konzentrieren, nach den zwei Spielen gegen Real nämlich.

Zumindest erstaunlich ist, wie Trainer Slomka auf Schalke alle Stürme überstanden hat, den mit Rost, den mit Asamoah und auch den mit Lincoln. Das ist so überraschend wie der HSV, der mit einem Kader, der das Wort Abstiegskampf nicht einmal buchstabieren kann, in eben diesem steckt, und wo, siehe die Fanaktivitäten, der Realitätsverlust Programm ist. Realitätsverlust aber führt zum Ausscheiden. Frohes Fest!

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