Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Gute Güte, das hat es seit gefühlt einem halben Jahrhundert nicht mehr gegeben, dass ein Trainer beim FC Bayern München die Vorgabe bekam, Platz drei zu erreichen. Aber das allein dürfte verdammt schwer werden. Gestern beim Treffen des VfB Stuttgart mit Werder Bremen hat der VfB sehr nachhaltig demonstriert, dass er nicht gewillt ist, die Champions-League-Qualifikations-Berechtigung so mir nichts dir nichts abzutreten. Gute Güte, sind die gut.

Und das wird auch nicht dadurch schlechter, dass Werder sich eine kleine Krise zu nehmen scheint. Der Schwung, die Leichtfüßigkeit, die Unbekümmertheit der Hinserie sind auf jeden Fall vorerst vorbei. Was schon bei der Heimniederlage gegen Schalke sichtbar wurde, setzte sich gestern fort: Werder zeigt Anflüge von Pomadigkeit. Als wenn irgendein böser Geist den Spielern in der Winterpause Arglistiges eingeflüstert hätte: Jungs, nun lasst es mal gut sein mit diesem Spitze-, Hacke-, Flitzefußball, denkt doch mal ökonomisch. So wie der FC Bayern, als der noch gut war. Aber rumms, da hielt Schalke einfach mal dagegen, und patsch, patsch, noch ehe sich Werder auf Fußball besann, stand es 2:0 für den VfB. Wenn Werder nicht bald wieder in seine Spur findet (wozu es in der zweiten Halbzeit erste, vergebliche Zeichen gab), können sie sich bald mit den Bayern um Platz drei streiten und nicht mit Schalke um die Meisterschaft.

Und der VfB? Erstaunlich, erstaunlich. Oder doch nur folgerichtig, nachdem sie sich dort all der früheren sinnfreien und ahnungslosen Einlasser entledigt haben? Es wird nicht mehr gequasselt bei den Schwaben, stattdessen machen dort zwei ihre sehr gute Arbeit, die quasi unter Auslassung der Lehrzeit zu ihren Jobs gekommen sind: Trainer Armin Veh und Manager Horst Heldt. Die haben erst eine grundsolide Basis geschaffen, dann einen sehr ansehnlichen Fußball verordnet – und nun damit Erfolg. Das alles schafft enormes Selbstbewusstsein. So sah es aus in der zweiten Hälfte: Werder dominierte das Spiel, aber nur optisch; der VfB ließ Werder gewähren, großzügig, aber nicht leichtfertig. Erstaunlich, erstaunlich. In München werden sie mit großem Schrecken zugesehen haben.

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