Sport : Live aus dem Stadion

Die Bundesliga kommentiert

Marcel Reif

Ach, ich würde doch auch so gerne von meisterlichen Schalkern reden, von ihrer Leidenschaft und ihrem Willen, von der Lust, den Titel notfalls auch zu erkämpfen. Ich gönne es ihnen doch auch, bitte, nach all den Jahren, und dieses verfluchte Schicksal erst, ganz zu schweigen von diesem lausigen farbenblinden Fußballgott, der königsblau nicht kennen will. Sollen sie doch Meister werden. Ich würde schon schwärmen wollen.

Aber wenn sie doch spielen, als wollten sie partout nicht? Ein paar fulminante Anfangsminuten gestern in Dortmund, aber die schienen doch mehr der Folklore geschuldet zu sein, sich gegen die aus der Stadt nahe Lüdenscheid besonders ins Zeug zu legen. Und dann? Dann kam Metzelder, Metzelder flankte, es kam Frei, Frei traf. Und die Geister hüpften, johlten, grölten. „Ihr werdet nie Deutscher Meister“, sangen sie, was besonders perfide war, weil doch aus Bochum, wo der VfB Stuttgart sich mühte, und aus Bremen zwischendurch immer mal wieder hoffnungsfrohe Kunde kam.

Was machen wir nur mit den Schalkern? Es ist ja nicht so, dass sie nur träumen von der Meisterschaft und in der Realität alles falsch machen. Der Schnitt, sich von Manager Assauer und all den von ihm verkörperten Altlasten zu lösen, diesen Schnitt wird doch wohl niemand geißeln können. Sie haben einen kompetenten Trainer eingesetzt, ihn auch in schwierigen Zeiten werken und wirken lassen. Der hat dann auch noch die stinkstiefelige Altlast entsorgt, den Torwart Rost, was auch zum Schalker Segen reichte. Ja, was denn noch? Geld haben sie, Ahnung haben sie, das treueste Publikum ohnehin. Seele? Ja, Seele haben sie auch, immer noch, trotz des faustischen Deals mit Gazprom. Nur die Geister, die sie rufen, wenn sie mal wieder den Titel anvisieren, die werden sie nicht mehr los. „Ihr schafft es doch nicht“, flüstern sie, und dann spielt Lincoln gestern so, als wolle er auch gar nichts schaffen, agieren die Altintops umständlich und gemächlich, verpasst Kuranyi seinen Zug zum Tor. Ich habe mich vor diesem Spieltag festgelegt: Wer danach auf Platz eins steht, wird auch Meister. Schalke steht dort nicht. Ich fürchte, die Tränentücher kommen zum Einsatz.

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