Live-Übertragung : Hertha-Fans in der Waldbühne: Resignation statt guter Geister

Wie die aus dem Olympiastadion ausgesperrten Hertha-Fans das verlorene Spiel gegen den VfB Stuttgart bei der Live-Übertragung in der Waldbühne erlebten.

von
Hertha-Fans in der Waldbühne
Ojemine! Herthas Fans mussten in der Waldbühne leiden.Foto: dpa

Minuten nach dem Abpfiff sitzen einzelne verlorene Gestalten noch auf den Rängen der Waldbühne und starren mit leerem Blick auf die 100 Quadratmeter große Leinwand, auf der sie mit rund 7000 weiteren Hertha-Fans die 0:1-Niederlage der Berliner gegen Stuttgart verfolgt hatten. So etwas wie ein „guter Geist“, wie es Herthas Sportdirektor Michael Preetz gehofft hatte, schwappte allerdings nicht hinüber ins Olympiastadion, wo nach den Fan-Krawallen gegen Nürnberg nur 25.000 Hertha-Fans zugelassen waren.

Die gesamte Ostkurve hatte sich in der  Waldbühne versammelt – und doch wollte bei den nur zu einem Drittel gefüllten Rängen keine rechte Stimmung aufkommen. „Ist doch klar, wenn man nicht in sein Wohnzimmer darf“, sagt ein grimmig dreinblickender Fan. Doch alles bleibt friedlich. Die Hertha-Anhänger entdecken durchaus die Vorzüge des Public Viewings: Nach einer der strittigen Abseitsentscheidung gegen Gekas in der 20. Minute wird nach den Zeitlupen geschimpft und gepfiffen. Und als der Grieche Gelb sieht, springt ein extrovertierter Anhänger auf die abgetretene Grünfläche zwischen Rängen und und Leinwand und beschimpft diese laustark. Klein gewachsene Zuschauer freuen sich dagegen, sich auf Bänke stellen zu können, um eine bessere Sicht zu haben.

Auf dem Unterrang steht der harte Kern aus Herthas Ostkurve und stimmt immer wieder zaghafte Sprechchöre an, doch schon auf dem zweiten und dritten Rang lichten sich die Reihen. Trommeln und Vorsänger fehlen, so dass die Gesänge schnell im offenen Rund der Open-Air-Bühne versanden.

Und dann, gegen 17 Uhr, wird es auf einmal totenstill. Kurz nach dem entscheidenden Tor durch Cacau versucht jemand, ein motivierendes „Ha-Ho- He, Hertha BSC“ anzustimmen. Doch es ebbt schnell wieder ab in der sich breit machenden Resignation. Wer eben noch stand, setzt sich nun auch auf die rotbraunen Bänke. Tobias, ein 17-Jähriger Hertha-Fan, versucht verzweifelt mit dem Rücken zur Leinwand die still gewordenen Anhänger noch einmal zum Anfeuern zu bewegen. "Ich war enttäuscht", sagt er später. "Das war mir zu wenig." Doch auch seine Initiative geht in der Resignation unter.

Erst als Artur Wichniarek kurz vor Schluss eingewechselt wird, echauffieren sich die Fans noch einmal lautstark; auch einige Mittelfinger werden gen Himmel gereckt, um den Unmut über diese Personalentscheidung kund zu tun. Spätestens da steigen die ersten die 188 steilen Stufen in Richtung Ausgang hinauf. „Es war trotzdem besser, als wenn alle allein zu Hause geguckt hätten“, sagt eine Frau mit Tränen in den Augen. Ein schwacher Versuch, diesem Ausflug irgendetwas Positives abzugewinnen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben