Sport : Live von der Besenkamera

Stefan Hermanns

Wie aus zuverlässiger Quelle zu erfahren ist, bemüht sich der Fernsehsender RTL intensiv darum, die internationalen Übertragungsrechte am Curling zu erwerben. „Wir wollen groß ins Curling einsteigen“, sagte ein Sprecher des Senders. Eisstockschießen besitze enormes Zuschauerpotenzial, und mit der richtigen Vermarktung könne RTL die bisher vernachlässigte Sportart zur Formel 1 des Winters aufbauen.

Na ja, ganz so weit ist es noch nicht: Die Curlingspieler müssen jedenfalls nicht fürchten, dass der Stein auf seinem Weg ins Haus künftig von einer eigenen Besenkamera gefilmt wird oder dass die Wettbewerbe – der spektakulären Flutlichtbilder wegen – erst nach Einbruch der Dunkelheit beginnen. Aber überraschen wird es die Curlingspieler schon, wie viel Aufmerksamkeit sie zurzeit erregen. Fast 3,5 Millionen Menschen sahen das Auftaktmatch der deutschen Männer bei Olympia, was einem Marktanteil von 12,1 Prozent entspricht. Für eine Sportart, von der viele glauben, sie sei in etwa so aufregend wie „Deutschlands schönste Zugstrecken“ im Nachtprogramm, ist das bemerkenswert.

Wie alle anderen Disziplinen profitiert natürlich auch Curling vom ganz normalen Olympiabonus; allerdings besitzt die Sportart tatsächlich eine gewisse Fernsehtauglichkeit. Das Ergebnis ist selbst für Laien auf den ersten Blick ersichtlich: Der Stein landet im Haus, oder eben nicht, und man muss nicht auf die zweite Zwischenzeit warten, um zu erkennen, wie gut die eigene Mannschaft gerade im Rennen ist. Zum Snooker des Winters taugt Curling damit allemal. Vielleicht sollte man das dem DSF mal mitteilen.

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