Liveblog zur Fifa-Wahl : Wie Gianni Infantino zum Fifa-Präsidenten wurde

Der Weltfußball hat sich neu aufgestellt. Die Fifa wählt Gianni Infantino zum Nachfolger von Joseph Blatter und beschließt weitreichende Reformen. Unsere Reporter bloggten live vor Ort, hier der historische Tag zum Nachlesen.

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Neue Transparenz? Gianni Infantino lässt auf seiner ersten Pressekonferenz als Fifa-Präsident vier Nachfragen zu.
Neue Transparenz? Gianni Infantino lässt auf seiner ersten Pressekonferenz als Fifa-Präsident vier Nachfragen zu.Foto: AFP

Es ging um viel für die Fifa, die mit einem Nachfolger für Joseph Blatter und Reformen ihr Image retten wollte. Nachdem die nötige Mehrheit die Reformen angenommen hatte, wurde der Schweizer Gianni Infantino bereits im zweiten Wahlgang zum neuen Präsident des Fußball-Weltverbandes gekürt. Mein Kollege Johannes Nedo und ich waren vor Ort im Hallenstadion und führen mit einem Liveblog noch einmal durch die Wahl, erklären alle Entscheidungen und sparen nicht mit Abseitigem am Rande.

21.47 Uhr: Aus dem Nebensaal im Zürcher Hallenstadion dringt Partymusik, die Funktionäre feiern jetzt, auch wenn Partylöwe Tokyo Sexwale gar nicht gewonnen hat. In Kürze wird hier der Laden zugesperrt, für das Eishockeyspiel der ZSC-Lions Zürich morgen wird eine Eisfläche aufgebaut. Wir schicken jetzt nach fast 13 Stunden Bloggen unsere Fingerkuppen und Augen in den Feierabend. Einzelheiten entnehmen Sie der gedruckten Tagespresse. Oder um es mit Gianni Infantino zu sagen: "Die größte News haben Sie ja schon: Gianni Infantino ist neuer Fifa-Präsident." In diesem Sinne: Guäts Nachtli aus Züri! Wir gehen jetzt einen trinken, auf Tokyo Sexwale!

20.20 Uhr: So sieht die neue Transparenz aus im Weltverband: Vier Nachfragen lässt Infantino zu, alle von Journalisten, die er persönlich zu kennen scheint. Der neue Fifa-Präsident spricht aber immerhin ein wenig. Darüber wie er seine teuren Wahlversprechen erfüllen will: "Die Fifa verdient fünf Milliarden Dollar im Jahr, da ist es kein Problem 1,2 Milliarden... nicht auszuschütten, sondern in Fußball zu investieren. Ich werde zudem auf Sponsoren, Partner und Broadcaster zugehen, dann werden die Einnahmen wieder steigen." Darüber, wer unter ihm Generalsekretär wird: "Ich habe einige Ideen, aber heute ist nicht der Moment, darüber zu reden. Ich will einen starken Generalsekretär, der nicht aus Europa kommt." Und über sein Verhältnis zu Michel Platini: "Ich danke allen meine Unterstützern, auch Platini und bin in Gedanken stark bei ihm." Das war's dann.

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FIFA-Boss Infantino: 'Wir beginnen eine neue Ära'
FIFA-Boss Infantino: 'Wir beginnen eine neue Ära'

19.55 Uhr: Jetzt erscheint Infantino zur Pressekonferenz. Verhaltener Applaus von den wenigen Uefa- und Fifa-Mitarbeitern vor Ort. Er begrüßt die Anwesenden wieder mal mehrsprachig, sogar in Arabisch. "Sie haben ja Ihre News schon: Gianni Infantino ist Fifa-Präsident", sagt der Schweizer zu den Reportern. Dann wendet er sich an die Mitarbeiter des Weltverbandes ("Ich zähle auf Sie!") und die Fans ("Sie werden stolz sein auf die Fifa!"). Er sei emotional überwältigt und geschafft, daher solle es nur wenig Fragezeit geben.

Ja, ich bin's! Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino.
Ja, ich bin's! Der neue Fifa-Präsident Gianni Infantino.Foto: AFP

19.39 Uhr: Von wegen Schweizer Pünktlichkeit. Seit über einer halben Stunde lässt der neue Fifa-Präsident auf seine erste Pressekonferenz warten. Also noch ein wenig Zeit zum Spekulieren. Im Hallenstadion geht das Gerücht, Prinz Ali habe seinen Unterstützern schon vor dem zweiten Wahlgang gesagt, sie sollten ab jetzt für Gianni Infantino stimmen. Immer wieder ist zu hören, die USA hätten hier im Hintergrund des Jordaniers gewerkelt. Das würde die große Wählerbewegung von 27 Stimmen hin zum Schweizer zumindest teilweise erklären. Spannende Frage vor der PK: Wen schlägt Infantino als seinen künftigen Generalsekretär vor? Jemand aus einem anderen Kontinentalverband? Vielleicht sogar erstmals eine Frau?

19.20 Uhr: Unter Fifa-Mitarbeitern sorgte die Wahl von Gianni Infantino für lange Gesichter, haben wir vorhin gehört. Bei der Uefa in Nyon sei dagegen Jubel ausgebrochen. Während seine Funktionärskollegen Infantino in höchsten Tonen loben, ist der Schweizer bei seinen Untergebenen angeblich nicht sonderlich beliebt. Die Pressekonferenz verzögert sich noch etwas, deshalb haben wir Zeit für so etwas.

19.00 Uhr: Bevor der neue Fifa-Präsident sich gleich erstmals in einer Pressekonferenz an die Weltöffentlichkeit wendet, geben wir noch eine kleine Einschätzung zu Gianni Infantino in Form eines Kommentars ab. Die Parallelen beim Sieg des Schweizers zu seinem Vorgänger und Landsmann Joseph Blatter sind wirklich erschreckend vertraut. Auch der englische Fußballexperte Gary Lineker hat eine Meinung dazu:

18.43 Uhr: Die ersten Reaktionen im Hallenstadion auf die Wahl von Gianni Infantino fallen positiv aus. Der deutsche Wahlmann Reinhard Grindel sagte: "Infantino ist ein Manager des Fußballs und der Richtige, um die Reformen umzusetzen. Allerdings muss er seinen Worten nun auch Taten folgen lassen." Der Schatzmeister und designierte DFB-Chef vermutete, dass es massive Wählerbewegungen im asiatischen Verband gegeben habe, weg von Salman, zunächst hin zu Prinz Ali und dann zu Infantino, die dem Schweizer wohl letztlich den Sieg brachten. DFB-Präsident Rainer Koch zeigte sich "erleichtert, dass Europa weiter Einfluss im Weltfußball behält". Ob Infantino jedoch seine Versprechen, noch mehr Fördergelder an die Verbände auszuschütten, und ein WM-Turnier mit 40 Teams abzuhalten, auch umsetzen kann, bleibt offen. "Das eine ist der Wahlkampf und das andere das Regieren", sagte ein Funktionär.

18.09 Uhr: Und so schnell geht der Wahlkongress zu Ende. Interims-Präsident Issa Hayatou wird für sein Übergangs-Engagement mit Applaus des Saals bedacht. Und der Kameruner bedankt sich dafür, dass die Delegierten die Reformen angenommen haben, "um Vertrauen zurückzugewinnen, damit die Fifa in Zukunft wieder glänzen kann". Damit ist die Messe gelesen, der Kongress beendet.

18.00 Uhr: Gianni Infantino ist neuer Fifa-Präsident! Überraschend hat sich der Schweizer schon im zweiten Wahlgang sage und schreibe 27 zusätzliche Stimmen gesichert und mit absoluter Mehrheit gewonnen. Überwältigt fasste sich der 45-Jährige an die Brust, nahm einen Blumenstrauß entgegen und die Wahl an. "Alle werden der Fifa applaudieren, für das was wir in Zukunft tun werden", sagt der bisherige Uefa-Generalsekretär. Das Ergebnis des zweiten Wahlgangs: Prinz Ali bin Al Hussein 4 Stimmen, Scheich Salman Al Chalifa 88 Stimmen, Jerome Champagne 0 Stimmen, Gianni Infantino 115 Stimmen, das reicht zum Sieg mit absoluter Mehrheit, stürmischer Applaus.

17.50 Uhr: Neben all den verabschiedeten Reformen gibt es übrigens auch entschiedene Verbesserungsvorschläge: Ein Demonstrant forderte heute vor dem Zürcher Hallenstadion von der Fifa die Abschaffung des Unentschiedens und die Rückkehr zur guten alten Bolzplatz-Regel: Nächstes Tor entscheidet.

Stimmung bei den Stimmenzählern der Fifa-Wahl.
Stimmung bei den Stimmenzählern der Fifa-Wahl.Foto: AFP

17.38 Uhr: ZZ Top! Wir sind wieder bei Zimbabwe und Zambia! Der zweite Wahlgang ist durch, nun wird wieder ausgezählt.

16.40: China und Cayman Islands. Natürlich beide mit der gleichen Stimme. Wir machen hier kurz Pause, nach acht Stunden bloggen krampft die Hand. Falls Sie sich in der Zwischenzeit fragen, wie man eigentlich die Stimmen von Ländern wie Curacao oder den Cook Islands gewinnt, hier eine Leseempfehlung: Wir haben uns den Wahlkampf von Infantino auf der Karibik-Insel Montserrat angeschaut, so groß wie Sylt und mit nur 200 Fußballern, aber womöglich wahlentscheidend. Hier kann man ziemlich gut erkennen, was gut und was falsch läuft im System Fifa.

16.23 Uhr: Same procedure as every year. Afghanistan darf wieder in Wahlkabine 1, Albanien in die 2 bitte. Und täglich grüßt das Wahlgangstier. Ab hier lesen Sie bitte noch einmal die Einträge ab 13.17 Uhr nach, wir wiederholen uns hier sonst nur noch.

16.19 Uhr: Nur 85 Kreuzchen wurden also für den Favoriten Salman gemacht, das ist zumindest ein Fingerzeig für die weitere Wahl. Bereits im Vorfeld wurde spekuliert, auch rassistische Vorurteile könnten dem Scheich Stimmen kosten. Experten rechneten im Vorfeld kaum damit, dass er noch an Wählern zulegen kann, wenn er nicht stark startet. Infantino kann als inoffizieller Sieger des ersten Durchgangs auf weitere Wechselwähler hoffen. Die spannende Frage lautet, wie viele Verbände noch für die Außenseiter Champagner und Ali stimmen und auf wen sich ihre Unterstützer verteilen, sollten sie ausscheiden. Vor allem die 27 Stimmen, die Prinz Ali überraschend bekommen hat, könnten zum entscheidenden Faktor werden.

Jeder nur ein Kreuz. Die Fifa-Delegierten stimmen in Wahlkabinen über einen neuen Präsidenten ab.
Jeder nur ein Kreuz. Die Fifa-Delegierten stimmen in Wahlkabinen über einen neuen Präsidenten ab.Foto: dpa

16.07 Uhr: Wie erwartet erreicht kein Kandidat die erforderliche Zweidrittelmehrheit von 138 Stimmen. Es geht also in die zweite Runde. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs: Prinz Ali bin Al Hussein kommt auf überraschend gute 27 Stimmen, Scheich Salman Al Chalifa auf 85, weniger als erwartet, Jerome Champagne erreicht nur sieben Stimmen und Gianni Infantino stolze 88 Stimmen. Wenn kein Kandidat zurückzieht, dürfen alle vier Bewerber auch im zweiten Wahlgang antreten, in dem eine einfach Mehrheit von 104 Stimmen reichen würde.

15.35 Uhr: Z wie Zimbabwe und Zambia (zumindest auf Englisch)! Der erste Wahlgang ist durch, nach gut anderthalb Stunden. Nun werden die 207 abgegebenen Stimmen ausgezählt. Dass ein Kandidat aber die nötige Zweidrittelmehrheit erreicht, gilt als mehr als unwahrscheinlich, ein zweiter Wahlgang ist also wahrscheinlich. Das Prozedere erklären wir hier, ebenso die Kandidaten und Reformen.

15.11 Uhr: Samoa und Peru, es kann nicht mehr lange dauern. Interessante Beobachtung vom Kollegen Johannes Nedo: Berührungsängste kennen die Deutschen, die offiziell Infantino unterstützen, jedenfalls nicht. Die deutsche Delegation um Reinhard Rauball, Reinhard Grindel und Wolfgang Niersbach plauderte angeregt mit Scheich Salman. Niersbach legte dem Kandidaten sogar den Arm um die Schulter. Sicherlich, um seine Rolle bei den Menschenrechtsverletzungen im Bahrain anzusprechen.

14.54 Uhr: L wie Luxemburg und Libyen. Wer sich die Wartezeit vertreiben will, der kann unseren Kommentar zum überraschenden Rücktritt von DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock lesen. Der erfolgte zwar offiziell aus gesundheitlichen Gründen, kommt dem deutschen Verband in der Affäre um die WM 2006 aber nicht ungelegen. Da wird es nächste Woche, wenn die Untersuchungsergebnisse vorliegen, auch nochmal spannend.

14.32 Uhr: Jetzt ist Deutschland dran, DFB-Wahlmann Reinhard Grindel wird zur Wahlkabine 1 aufgerufen. Aus dem Hintergrund müsste Grindel wählen, Grindel wählt, er geht durchs Tor, Tor, Tor! Deutschland ist Weltpräsident! Das Wunder von Zürich! Oder auch nicht. Verzeihen Sie uns den Ausbruch, war schon ein langer Tag heute. Ab jetzt geht es ernsthaft weiter. Der DFB hat übrigens seine Stimme wie die meisten Europäer Infantino versprochen.

14.08 Uhr: Wie groß die Welt ist, fällt erst auf, wenn sie wählen muss. Wir sind jetzt erst bei Belgien und Bhutan. Im ersten Durchgang kann ein Kandidat nur mit Zweidrittelmehrheit gewinnen. Gelingt das nicht, geht das Ganze von vorne los, dann genügt die einfache Mehrheit, also 104 Stimmen. Das Prozedere erklären wir hier, ebenso die Kandidaten und Reformen.

13.51 Uhr: Jetzt wird endlich gewählt. Afghanistan darf in Wahlkabine 1, Algerien bitte in die 2. Vorher wird den Verbänden noch erklärt, wie man richtig Kreuzchen setzt. Und dass sie Telefone und Kameras vorher abgeben müssen, damit sie keine Fotos vom Stimmzettel machen. Johannes Nedo ist trotzdem nach unten geeilt, um sich ein Bild von den Wahlkabinen zu machen.

13.46 Uhr: Whoops! Gerade hatten wir uns für die Party schick gemacht, jetzt zieht Sexwale seine Kandidatur zurück. "Ich bin für Einheit und gegen Spaltung, den Rest überlasse ich ihnen." Mit Standing Ovations zieht er sich zurück. Absurd. Vor allem, wenn die Gerüchte stimmen, dass Sexwale seine Stimmen Infantino versprochen hat. Beide hatten sich jedenfalls kurz vor der Wahl getroffen.

Kandidat Tokyo Sexwale zog kurz vor der Wahl seine Kandidatur als Fifa-Präsident zurück.
Kandidat Tokyo Sexwale zog kurz vor der Wahl seine Kandidatur als Fifa-Präsident zurück.Foto: REUTERS

13.41 Uhr: Sexwale ist der größte Showman. "Egal, wer gewinnt, es gibt eine Party", sagt der 62-Jährige und dann, mit einem dicken Grinsen: "Aber mit mir gibt es die größte Party." Applaus und Lacher. Wir haben uns festgelegt: Tokyo Sexwale for President!

13.35 Uhr: Bei Aufzählen der verhafteten Funktionäre verrechnet sich Sexwale. Sind ja auch eine Menge. Dann sagt der Südafrikaner allen Ernstes: "Blatter und all die anderen sind weiter Teil der Familie. Nelson Mandela hat uns beigebracht, uns nicht am Unheil anderer zu ergötzen. Hoffentlich sehen wir sie eines Tages mit anderen Augen." Großer Applaus im Saal. Soviel zum neuen Reformgeist in der Fifa.

13.30 Uhr: Der letzte Kandidat Tokyo Sexwale startet gleich mal mit einem Witzchen. "Die vorherigen Kandidaten haben ihre Redezeit nicht voll ausgenutzt, die müsste ich doch als Nachspielzeit zugesprochen kriegen", sagt der Südafrikaner und hat die Lacher auf seiner Seite. Unsere nicht. Fangt endlich an zu wählen! Ab Mitternacht wollen die Eishockeyspieler in die Halle.

13.27 Uhr: Zum ersten Mal gibt es stürmischen Applaus für einen Kandidaten, als Infantino von Geld spricht. "Das Geld der Fifa ist Ihr Geld, nicht das Geld des Fifa-Präsidenten", ruft er in den Saal. Das finden die Delegierten gut, ebenso die 1,2 Milliarden Dollar Fördergeld, die er künftig an die Verbände ausschütten will. Am Schluss wird er sogar schlüpfrig: "Ich werde für Sie da sein, jeden Tag - und jede Nacht."

13.20 Uhr: In Infantino scheint der heilige Geist gefahren zu sein, er spricht in vielen Zungen und wechselt in seiner Rede ständig die Sprache: Italienisch, Deutsch, Französisch, Spanisch, Englisch, Portugiesisch. Alle Kontinente will er so ansprechen. Ob er gleich auch in afrikanischen Stammesdialekten um Stimmen von dort wirbt?

13.14 Uhr: Champagnes Rede ist ebenfalls wenig prickelnd und die bisher längste. "Wählen Sie den einzigen unabhängigen, erfahrenen Kandidaten", sagt er. Ob er damit wohl sich meinte? Jetzt wird's interessant, der zweite große Favorit Gianni Infantino darf ans Mikro.

13.02 Uhr: Nun kommt Jerome Champagne dran. Hoffentlich verbreitet der Franzose etwas Sektlaune auf dieser trockenen Veranstaltung.

12.52 Uhr: Nach einer bemerkenswert unbemerkenswerten Rede löst nun Scheich Salman Al Chalifa den blassen Prinz Ali am Rednerpult ab. Der AFC-Präsident preist in gediegenen Worten dass er all seine bisherigen Ämter in demokratischen Wahlen erreicht habe und will weiter verantwortlich wirtschaften. "Ich will das Überleben der Fifa nicht für meine Wahl aufs Spiel stellen", sagt der 50-Jährige. Ein Seitenhieb auf Mitbewerber Gianni Infantino, der für denn Fall seiner Wahl eine Erhöhung der Fördergelder versprochen hatte.

12.33 Uhr: Es geht weiter, zur Abwechslung wieder mal mit blauem Licht, Video-Einspielern und kitschiger Musik. Interims-Chef Hayatou erklärt, dass der neue Präsident nur für drei, nicht für vier Jahre gewählt wird, um das Mandat des zurückgetretenen und gesperrten Joseph Blatter zu beenden. Nun sprechen die Kandidaten jeweils eine Viertelstunde, als Erster Prinz Ali bin Al Hussein aus Jordanien.

12.22 Uhr: Bevor es in wenigen Minuten weitergeht, hat Johannes Nedo auch mit dem Mann gesprochen, der vor dem Hallenstadion Seife verteilt: Neben den Demonstranten aus Bahrain stand der Schweizer Peter Lampart. Der Schweizer demonstrierte tatsächlich gegen etwas: gegen die Fifa und gegen Korruption. Lampart hatte sich Fotos von Fifa-Vertretern, Dollar-Scheine und Luxushotels an die Jacke geheftet – und er verteilte Fifa-Flüssigseife in Näpfchen. „Zum Reinigen der Funktionäre – wobei ich nicht glaube, dass sich die Fifa reinwaschen kann“, sagte Lampart.

12.14 Uhr: Nachdem vor dem Kongress die Befürworter von Scheich Salman demonstrierten, sind in der Mittagspause nun die Gegner des Bahrainers aufmarschiert, die ihm Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen vorwerfen. "Salman, Folterer!", rufen sie. Mein Kollege Johannes Nedo hat mit einem Demonstranten gesprochen, der Salman verteidigt, aber betont, nicht herbestellt worden zu sein. „Das ist eine spontane Kundgebung“, sagte Younis Al Thawadi. Die Gruppe sei in Italien gewesen, weil sie sich am Wochenende das Spiel Inter Mailand gegen Juventus Turin anschauen wollen. „Als wir hörten, das Scheich Salman hier ist, sind wir nach Zürich gefahren“, betonte Al Thawadi, der Salman als sauberen, weisen Mann lobte. Die groß mit Salman bedruckten Poster, die alle Demonstranten hatten, hätten sie von „Menschenrechtlern“ bekommen. Wer diese seien, konnten oder wollten sie nicht sagen. Angesprochen auf die mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen Salmans sagte Al Thawadi: „Davon weiß ich nichts. Wir leben alle in Frieden in Bahrain. Wir sind ein demokratisches Land." Dass Kritiker in Bahrain unterdrückt werden und die Königsfamilie das Land mit harter Hand regiert, wies Al Thawadi zurück.

11.26 Uhr: Nach so viel Reformwillen gönnt sich der Kongress nun eine Mittagspause. In einer bis anderthalb Stunden geht es weiter, es läuft bisher alles schneller als geplant. Die Präsidentenwahl wird aber nicht vor 14 Uhr beginnen. Zunächst darf jeder Kandidat eine viertelstündige Wahlkampfrede halten.

11.22 Uhr: Tadaa! Das ging ja einfach. Nach endlosen Vorreden wurden die vorgeschlagenen Fifa-Reformen plötzlich in weniger als einer Minute angenommen. 179 Delegierte, also 89 Prozent, drückten auf den grünen Knopf der Abstimmungsgeräte. Deutlich mehr als die nötige Dreiviertelmehrheit. 22 Verbände stimmten gegen das Paket, sechs gaben kein Votum ab. Erleichterter Applaus im Saal, eines der wichtigsten Ziele des Tages ist geglückt. Damit könnte eine neue Epoche im Weltfußball anbrechen. Wir haben die Reformen, zusammen mit den wichtigsten Fragen zum Wahlkongress, hier noch einmal zusammengefasst.

11.10 Uhr: Mesut Özil hat übrigens noch Zeit für eine ganz persönliche Wahlempfehlung:

10.45 Uhr: Die erste Überraschung des Tages kommt aus dem deutschen Lager: Generalsekretär Helmut Sandrock verlässt den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Der 59-Jährige trete "auf eigenen Wunsch" zurück, teilt der Verband mit. Sandrock sollte ursprünglich mit nach Zürich reisen und die deutsche Stimme abgeben, die Infantino versprochen ist, aber sagte vorher ab, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Der designierte DFB-Präsident Reinhard Grindel vertritt ihn hier. Wenn der CDU-Bundestagsabgeordnete am 15. April voraussichtlich zum neuen DFB-Chef gewählt wird, kann er sich also einen neuen Generalsekretär aussuchen. Sandrock war zuletzt ebenfalls in der Affäre um die WM 2006 in Deutschland unter Druck geraten. Die Untersuchungsergebnisse in dieser Sache will der deutsche Verband heute in einer Woche vorstellen.

DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock tritt zurück.
DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock tritt zurück.Foto: dpa

10.42 Uhr: Indonesien protestiert gegen den Ausschluss, aber 87 Prozent der Verbände sind dafür, die Frage auf den ordentlichen Kongress im Mai in Mexiko zu vertagen. Ein verzögernder Nebenkriegsschauplatz weniger.

10.33 Uhr: Generalsekretär Markus Kattner weist noch einmal auf die schwierige Lage der Fifa hin, vor allem finanziell. 550 Millionen US-Dollar fehlen dem Weltverband offenbar, um das eigene Gewinnziel zu erreichen. Noch kann die einstige Gelddruckmaschine das Defizit aus Rücklagen begleichen, heißt es, den lukrativen WM-Turnieren sei Dank. Aber ohne Reformen werden wohl weitere Sponsoren abspringen. Einen neuen Werbepartner gibt es immerhin, verkündet Kattner: Ali Baba E-Autos. Nie gehört? Wir auch nicht. Aber mit der Fifa kommt man ja schnell in die Schlagzeilen.

10.24 Uhr: Interimspräsident Hayatou wirbt noch einmal leidenschaftlich für die Reformen - naja, so leidenschaftlich es dem schläfrigen 69-Jährigen, der öfter mal bei Sitzungen einnickt, möglich ist. "Es wird eine bessere, transparente, stabilere Fifa geben, damit die Vorfälle der Vergangenheit sich nie wiederholen", sagt der Kameruner. Wir haben die Reformen, zusammen mit den wichtigsten Fragen zum Wahlkongress, hier noch einmal zusammengefasst.

10.10 Uhr: Die Verbände aus Indonesien und Kuwait sind wegen Einmischungen der jeweiligen Regierungen in die Sportpolitik suspendiert und dürfen nicht mitwählen. Es sind also nur 207 Delegierte stimmberechtigt. Macht wohl zwei asiatische Stimmen weniger für Scheich Salman, ein Vorteil für Gianni Infantino, den Kandidaten der Europäer.

10.03 Uhr: Alle 209 Verbände sind anwesend. Alleine das Aufzählen der Namen durch Generalsekretär Kattner hat gut zehn Minuten gedauert. Nun versteht man, warum jeder Wahlgang anderthalb bis zwei Stunden dauern wird. Bei mindestens zwei und bis zu fünf möglichen Wahlgängen kann das ein laaaanger Tag werden heute.

9.53 Uhr: Auch IOC-Chef Thomas Bach spricht Grußworte. "Sie wählen hier einen neuen Spielführer, eine neue Spielstrategie", sagt der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees den Delegierten. In die Reformen sollte ein Verbot für schlechte Sportmetaphern verankert werden, finden wir.

9.46 Uhr: Nanu, Sepp Blatter hat sich aber verändert, werden viele denken. Aber der Mann, der die offiziellen Eröffnungsworte spricht, ist Interimspräsident Issa Hayatou aus Kamerun. Blatter darf sich nach fast 18 Jahren als Präsident hier nicht verabschieden, der bald 80-Jährige ist wegen Korruptionsverdachts für jetzt noch sechs Jahre gesperrt und muss dem Kongress fernbleiben. "Wir brauchen nun den richtigen Präsidenten, der uns durch schwere Zeiten führt", sagt Hayatou. Den bräuchte die Fifa schon länger. Wer der Neue wird, entscheidet sich bei der Wahl nach 13 Uhr.

9.40 Uhr: Der deutsche Generalsekretär Markus Kattner spricht als Erster und bittet den Saal, die elektronischen Abstimmungsgeräte zu testen. 95 Prozent der Delegierten sind demnach per Druck auf den grünen Knopf der Meinung, dass die WM 2018 in Russland stattfindet. Also kann das Turnier ja stattfinden.

Aus der Dunkelheit ans Licht? Die Fifa will bei ihrem Wahl-Kongress im Zürcher Hallenstadion auch zahlreiche Reformen beschließen.
Aus der Dunkelheit ans Licht? Die Fifa will bei ihrem Wahl-Kongress im Zürcher Hallenstadion auch zahlreiche Reformen beschließen.Foto: REUTERS

9.36 Uhr; Leicht verspätet geht es mit einem Video-Einspieler, blauem Licht und kitschiger Musik los. "Embracing Reform", steht eingeblendet, mal sehen ob wirklich eine Dreiviertelmehrheit der 207 Delegierten heute Vormittag den Reformen zustimmen wird.

9.23 Uhr: So langsam füllt sich der Saal. Als Zeichen der neuen Transparenz ist die Pressetribüne diesmal durch einen Graben von den Delegierten getrennt.

Vor dem Zürcher Hallenstadion haben sich die ersten Demonstranten versammelt. Einige junge Araber verteidigen Kandidat Scheich Salman Al Chalifa mit Plakaten. Hier ein Porträt des Favoriten von meinem Kollegen Johannes Nedo, der die Vorwürfe gegen den Bahrainer erklärt. Ein anderer Demonstrant verteilt Fifa-Seife. DFB-Wahlmann Reinhard Grindel saß schon eine halbe Stunde vor Beginn des Kongresses am deutschen Platz, vorbildlich.

9.07 Uhr: Grüezi und guete Morgä aus Züri! Die Fußball-Welt hat sich mal wieder in der Schweiz versammelt, um einen neuen Präsidenten zu wählen. Es geht um viel für die Fifa, die mit einem Nachfolger für Joseph Blatter und Reformen ihr Image retten will. Auch mein Kollege Johannes Nedo und ich sitzen vor Ort im Hallenstadion und führen mit einem Liveblog durch den Tag, erklären alle Entscheidungen und sparen nicht mit Abseitigem am Rande. Um 9.30 Uhr geht's los.

Neue Transparenz? Polizisten sperren das Zürcher Hallenstadion vor dem Wahlkongress der Fifa ab.
Neue Transparenz? Polizisten sperren das Zürcher Hallenstadion vor dem Wahlkongress der Fifa ab.Foto: AFP

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