Sport : Lizenz zum Gewinnen

Der Deutsche Fußball-Bund will eine eigene Wette anbieten – Amateure und Sportverbände sind dagegen

Robert Ide

Berlin - Hans-Jürgen Reißinger kann seine Erregung nur schwer zügeln. „Für das Ansinnen der Fußballvereine fehlt jede rechtliche Grundlage“, zürnt der Vorstand der Staatlichen Klassenlotterie Berlin, die die Sportwette Oddset veranstaltet. In Brandbriefen an die Fußballvereine hat sich Reißinger gegen den Plan des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gewandt, eine eigene Fußballwette zu veranstalten. Es könnte allerdings sein, dass die Aufregung nichts bringt. Denn heute will der Bundestag des DFB über die Einführung einer eigene Wette abstimmen.

Nach Antrag 14 der Tagesordnung, eingebracht von der Deutschen Fußball- Liga der Profiklubs, soll der organisierte Fußball eine staatliche Genehmigung beantragen „mit dem Ziel, ab der Saison 2006/07 mit einer eigenen Fußballwette auf den Markt zu gehen“. Oddset, das sich bislang auf das staatliche Wettmonopol beruft, fürchtet damit eine Aushöhlung seines Geschäfts. „Da stellt sich die Frage, ob wir unter diesen Bedingungen den Sport weiter so fördern können wie bisher“, sagt Reißinger.

Oddset ist nicht nur offizieller Förderer der Fußball-WM 2006, sondern auch einer der größten Geldgeber des Sports überhaupt. Nicht nur in Berlin fließen Überschüsse aus dem Wettgeschäft an die Sportverbände, manchmal über den Umweg des Landeshaushalts. Viele Sportverbände stehen deshalb der Einführung einer DFB-Wette skeptisch gegenüber. „Sportwetten sind ohne Sport nicht möglich“, sagt Andreas Eichler, Generalsekretär des Deutschen Sportbundes. „Und Sport heißt nicht nur Fußball.“

Der Wettmarkt in Deutschland, der einen Jahresumsatz von drei Milliarden Euro erwirtschaftet, ist unübersichtlich. Bislang werden private Buchmacher von den Bundesländern und offiziell auch vom DFB als illegal eingestuft. Neben Oddset haben sich aber mehrere Anbieter mit Hilfe ostdeutscher Lizenzen aus der Wendezeit etabliert und treten zum Teil sogar als Sponsoren von Bundesliga-Vereinen auf. Diese Anbieter sind Betandwin, Digibet, Interwetten und Sportwetten Gera. Hinzu kommen Firmen, die vom Ausland aus über das Internet agieren. Sie bieten Einzelwetten mit attraktiveren Quoten – ein Angebot, das Oddset schon wegen seiner Pflichtausschüttungen an den Sport und der Lotteriesteuer nicht machen kann.

Nach dem Skandal um manipulierte Fußballspiele sind die traditionellen Beziehungen Oddsets zum DFB abgekühlt. Über die Aufklärung der Manipulationen gab es Meinungsverschiedenheiten, Gespräche über eine bessere Positionierung von Oddset scheiterten. „Es gibt eine Lücke zwischen Realität und Recht“, sagt DFB-Präsident Theo Zwanziger. „Dieser Realität müsse sich auch Oddset stellen.“ Natürlich sei der staatliche Anbieter erster Ansprechpartner für eine neue Fußballwette. Doch Zwanziger droht: „Wenn die Gespräche scheitern, könnten wir uns auch eine Kooperation mit Betandwin vorstellen.“ Das sei allerdings erst möglich, wenn Betandwin eine offizielle Zulassung bekommt.

Im Frühsommer will nun das Bundesverfassungsgericht über die Legalität der privaten Buchmacher entscheiden. Bei einer Anhörung im Bundestag im März stufte erstmals das Innenministerium die ostdeutschen Lizenzen als keineswegs illegal ein. „Wenn nach einem Urteil alles wegbricht, müssen wir vorbereitet sein“, sagt Wilfried Straub, der für die Fußball-Liga den umstrittenen Antrag in den Verbandstag einbringt. „Es geht nicht an, dass der Fußball Inhalte für ein Milliardenspiel liefert und kaum beteiligt wird.“

Mehrere Landesverbände können dieser Argumentation nur teilweise folgen. Sie beharrten noch am Mittwoch noch auf Änderungen des Antrags. Demnach soll festgeschrieben werden, dass eine Fußballwette möglichst mit Oddset veranstaltet werden soll. Zu den Widerständlern gehören neben dem mächtigen Verband in Bayern auch die Berliner Funktionäre. „Der Antrag ist bislang zu sehr auf die Interessen der Profivereine zugeschnitten“, sagt der Berliner Fußball-Chef Bernd Schultz. Ein Kompromiss zwischen Ligaverband und Amateurverbänden soll bis zum Donnerstagvormittag erarbeitet werden. Die Versammlung in Mainz beginnt am Nachmittag.

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