Sport : Lizenzvergabe: Zehn Minuten nach zwölf

Die kommende Saison der Fußball-Regionalliga findet ohne Sachsen Leipzig, SSV Ulm, SV Wilhelmshaven und Aufsteiger Göttingen 05 statt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) verweigerte den vier Klubs die Lizenz für die nächste Spielzeit der dritten Liga. Alle vier Vereine hatten es versäumt, bis zum Verstreichen der letzten Frist am vergangenen Dienstag die wirtschaftlichen Bedingungen zur Teilnahme am Spielbetrieb zu erfüllen. Ulm und Leipzig hatten wegen des Rückzugs von Rechteverwerter Sportwelt ohnehin einen Insolvenzantrag stellen müssen.

Durch den Ausschluss der Klubs sind drei sportliche Absteiger der Regionalliga nachträglich gerettet. Neben dem Ex-Zweitligisten Rot-Weiß Erfurt (für Ulm im Süden) bleiben die Amateure von Werder Bremen und der einstige Europapokal-Finalist Fortuna Düsseldorf in der Nordstaffel vertreten. Zudem rückt Holstein Kiel für Göttingen 05 als Aufsteiger nach.

Entsetzen herrschte beim SV Wilhelmshaven, der eine Bürgschaft über 500 000 Mark nicht rechtzeitig eingereicht hatte. Lediglich zehn Minuten nach Ablauf der Frist kamen die Papiere per Fax in Frankfurt an. Der Sportliche Leiter und Interimsvorsitzende Hans Bösken erhob schwere Vorwürfe in Richtung DFB: "Das ist eine schwarze Stunde für den Deutschen Fußball-Bund, der uns zu Gunsten eines Traditionsvereins aus der Liga kegelt. Wir werden voraussichtlich vor ein ordentliches Gericht gehen."

Theo Zwanziger, Vorsitzender des Lizenzierungsausschusses, verteidigte den DFB: "Wir sind uns bewusst, dass der Klub die Frist nur sehr knapp überzogen hat. Aber wir können im Sinne einer Gleichbehandlung der Vereine keine Ausnahme machen. Der Klub ist seit April informiert, welche Bürgschaft zu erbringen ist. Wer erst fünf Minuten vor Ende der Frist die Unterlagen faxt, hat fahrlässig gehandelt."

Der Knackpunkt ist ein offenbar misslungener Fax-Versuch der Norddeutschen wenige Minuten vor Fristende. "Wir können nachweisen, dass wir die Unterlagen um vier Minuten vor zwölf aus meiner Kanzlei an den DFB gefaxt haben. Als sich herausstellte, dass eine Seite fehlte, haben wir alles noch einmal gefaxt. Um zehn nach zwölf war alles komplett da", so Bösken.

Vor allem in Düsseldorf war die Erleichterung deutlich spürbar. Die Fortuna war wie Leipzig und Ulm durch den Rückzug der Sportwelt in eine wirtschaftliche Schieflage geraten. Doch unter anderem das Engagement der Punkrocker der "Toten Hosen" mit einer Geldspritze von einer Million Mark für die nächsten beiden Jahre half dem Traditionsverein aus der Klemme. In Göttingen hatte Klub-Präsident Günter Washausen sogar Bundeskanzler Schröder um Hilfe gebeten, der dort eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann absolviert und später Jura studiert hatte.

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