Sport : Lob der Beständigkeit

Albas Basketballer überzeugen gegen Le Mans in der Europaliga-Qualifikation

Benedikt Voigt

Berlin - Am Freitag um kurz nach 23 Uhr brach Marco Baldi aus dem Vip-Raum der Großarena am Ostbahnhof auf. Anstatt nach Hause zu fahren, machte sich der Manager von Alba Berlin auf den Weg nach Oldenburg, wo am nächsten Morgen das Treffen der Basketball-Bundesligaklubs anstand. Die nächtliche Reise aber hätte unangenehmer sein können, denn Marco Baldi konnte sie mit einem Erfolgserlebnis antreten.

Ob das Konzept von Alba Berlin, in dieser Saison auf Kontinuität zu setzen, das richtige ist, wird sich endgültig erst in den Play-offs der Bundesliga im nächsten Jahr herausstellen. In der ersten Qualifikationsrunde für die Europaliga gegen Le Mans Sarthe Basket aber bildete es beim 77:62 die Grundlage des Erfolges (Hinspiel 60:61). „Ich wusste, dass es sehr schwer werden würde, weil Alba im Gegensatz zu meiner Mannschaft so ziemlich dasselbe Team aufbieten konnte wie im letzten Jahr“, sagte Le Mans’ Trainer John-David Jackson. Die Berliner überzeugten vor allem im zweiten und dritten Viertel (20:10 und 24:15) mit jenen Systemen, die Trainer Luca Pavicevic dem Team seit langem eingehämmert hat. „Wir haben es geschafft, das Spiel mit Qualität zu gestalten“, freute sich der anspruchsvolle Berliner Trainer.

Tatsächlich sind es nur Kleinigkeiten, die Alba von jener Mannschaft unterscheiden, die im Play-off-Halbfinale der vergangenen Spielzeit überraschend gescheitert war. Der einzige Zugang Kenan Bayramovic musste sich noch in die Systeme einfinden, hatte aber mit fünf Punkten in zwölf Minuten einen ordentlichen Einstand. Ansonsten starten Steffen Hamann und Adam Chubb in dieser Saison bisher von der Bank. „Ich hatte einfach das Gefühl, dass das besser passt“, sagte Trainer Luca Pavicevic. Hamann überzeugte mit fünf Assists und sechs Punkten, doch vor allem Center Adam Chubb scheint die neue Rolle gut zu bekommen. Mit zwölf Punkten und acht Rebounds ragte er wie schon im Hinspiel gemeinsam mit Julius Jenkins (12 Punkte) aus einer Mannschaft heraus, die mehr denn je keinen Star hat.

Unter Luca Pavicevic ist das System der Star. So standen gegen Le Mans alle neun eingesetzten Spieler mindestens elf Minuten auf dem Feld, jeder erzielte mindestens fünf Punkte. Nach drei Vierteln (61:38) hatten die Berliner zehn Assists mehr auf dem Konto als die Gäste. Doch zu Beginn (2:13) und am Ende, als Le Mans auf Zonenverteidigung umschaltete, offenbarten die Berliner Probleme, die sie sich in der zweiten Play-off-Runde nicht leisten sollten. „Ich hatte Sorgen um unsere Nerven“, sagt Marco Baldi, „da ist es gut, wenn man sich auf ein System verlassen kann.“

Nun trennen Alba nur noch die Spiele am 6. Oktober in Athen und am 11. Oktober in Berlin von der erneuten Qualifikation für die Europaliga. Julius Jenkins sagt: „Dort spielst du gegen die besten Spieler der Welt außerhalb der NBA.“ Zuvor aber geht es gegen Maroussi Athen, das sich mit 89:60 überraschend deutlich im zweiten Spiel gegen Aris Saloniki durchgesetzt hat. „Wir haben den ersten Schritt gemacht, jetzt muss der zweite folgen“, fordert Baldi. Und wenn er ausbleibt? Der Manager sagt: „ Man wird dann sehen, was es bedeutet, wenn man in eine Saison startet und schon was verloren hat.“

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