Sport : Lob der Langstrecke

Benedikt Voigt

würdigt die Leistung der Schwimmerin Britta Kamrau Man stelle sich einen Marathonlauf vor. Zwei Athleten erreichen gleichzeitig das Stadion, laufen nebeneinander die letzte Runde, liefern sich einen dramatischen Endspurt – und überqueren nach 42,125 Kilometern Brust an Brust die Ziellinie. Wie bei einem 100-Meter-Lauf muss das Zielfoto hinzugezogen werden, erst nach einer langen Diskussion kann einer zum Sieger erklärt werden. Genau das ist Britta Kamrau gerade passiert.

Der Langstreckenschwimmerin aus Rostock fehlten bei der Schwimm-WM in Montreal nach fast fünfeinhalb Stunden im Wasser 0,3 Sekunden zum Sieg. Eigentlich hat sie das Schwimmen über 25 Kilometer sogar gewonnen, doch beim Anschlagen griff sie versehentlich daneben. Ein Sportdrama. Doch Kamrau ärgerte sich nur kurz und verzichtete sogar auf einen Protest. Stattdessen freute sie sich über die Silbermedaille und sagte: „Ich bin nicht so verbissen, dass ich nur noch gewinnen will.“

Es ist deshalb an der Zeit, Britta Kamrau zu würdigen. Ihre sportliche Leistung allein ist bereits herausragend. Der Gedanke, sich fünfeinhalb Stunden im Wasser aufhalten zu müssen, dürfte bei vielen Angst und Schrecken hervorrufen. Im Whirlpool bei 32 Grad könnte man sich das vielleicht vorstellen, in einem See aber müssen die meisten die Spezialtechnik „Toter Mann“ anwenden oder sich an einem Schlauchboot festhalten. Kamrau aber krault im Höchsttempo. Und nun zeigt sie auch noch menschliche Größe. Deshalb sei an dieser Stelle festgehalten: 0,3 Sekunden hin oder her – Britta Kamrau ist eine Siegerin.

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