Sport : Lob der Unruhe

Benedikt Voigt

trauert mit dem WM-Quartier Bensberg Immerhin, Johann Wolfgang von Goethe hat’s gefallen in Bensberg. „Ich glaube, dass die Götter dann und wann auf einer silbernen Wolke so ihren Nektar trinken und die Hälfte der Erde übersehen“, soll der Dichter gesagt haben, als er einst den Stadtteil von Bergisch-Gladbach überblickte. Das Problem ist jedoch, dass brasilianische Fußballstars keinen Nektar trinken und nicht die Hälfte der Erde übersehen wollen. Sie wollen Play-Station spielen.

Ach Bensberg. Nur zwei Play-Stations und zwei Internetplätze könnten für das örtliche Schlosshotel das Ende als WM-Quartier bedeuten. Die Brasilianer sind enttäuscht, und denken sogar darüber nach, während der WM 2006 in eine andere Luxusherberge zu ziehen. Zwar wurde das Computerspielzeug umgehend nachgeliefert, doch ist den Spielern bis dahin aufgefallen, dass das luxuriöse Schlosshotel einen weiteren Nachteil hat: Es ist nichts los. Es droht ein Lagerkoller, wenn die Brasilianer wie gewöhnlich bis zum Endspiel im Turnier bleiben. Manche Spieler plädieren deshalb bereits für einen Umzug nach Köln.

Ach Bensberg. Nach der deutschen Nationalmannschaft könnte bereits das zweite WM–Team wegbleiben. Will denn niemand mehr in einer Oase der Ruhe und der Entspannung wohnen, wie das Hotel wirbt? Vielleicht sollte sich Bensberg seine Gäste einfach geschickter auswählen. Japan oder Südkorea wären wahrscheinlich geeignetere Kandidaten. Beide werden wohl nicht bis zum Endspiel bleiben, die Play-Stations bringen sie gleich selber mit. Vielleicht interessieren sie sich sogar für Nektar.

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