Sport : Lob des Kauderwelschs

Benedikt Voigt

trauert Giovanni Trapattoni hinterher Ach, Giovanni Trapattoni. War doch eine schöne Zeit mit dir, als du noch den FC Bayern trainiert hast. Bist in die Geschichte der Bundesliga eingegangen, aber nicht mit dem Meistertitel 1997 oder dem Pokalsieg 1998. Sondern mit einer Rede, in der du Klartext gesprochen hast, was unter Trainern nicht gerade üblich ist. Zugegeben, so ganz klar war auch deine Rede nicht. Nicht jeder hat sie auf Anhieb verstanden, weil dein Deutsch holperte, aber gerade deswegen ist sie im Gedächtnis haften geblieben. Wahrscheinlich kann jeder Sportfan immer noch folgende Auszüge deiner Rede problemlos ergänzen: „Flasche...“, „Was erlauben ...“, „Habe...“ So oft sind deine Sprüche zitiert worden, dass viele sie nicht mehr hören können.

Aber sehen können wir dich schon noch, und so haben wir uns gefreut, als du am Donnerstag mit deinem neuen Klub Benfica Lissabon beim VfB Stuttgart aufgekreuzt bist. Sogar den nüchternen Matthias Sammer hast du mit deinem Kauderwelsch aus Italienisch, Portugiesisch, Deutsch und Englisch begeistert. „So etwas wie er darf einfach in der Trainergilde nicht aussterben“, sagte der Stuttgarter Trainer. Unterhaltsam, weltgewandt, offen – vielleicht zählt nur noch der englische Nationaltrainer Sven-Göran Eriksson zu dieser internationalen Klasse. In Stuttgart hast du alle zum Lachen gebracht, als du sagtest: „Wissen Sie, wie groß Stuttgart?“ Dann hast du einen Zettel hervorgeholt und die Größen der VfB-Spieler vorgelesen. Und schließlich warst du noch so freundlich und hast beim 0:3 alle Punkte hier gelassen. Giovanni Trapattoni, komm’ bald wieder.

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