Sport : Lobinger springt zu Olympia

Frank Bachner

Braunschweig - Ganz am Ende sah Tim Lobinger schon wieder ziemlich cool aus. Mit der linken Hand setzte er eine Flasche an den Mund, mit der rechten hielt er seinen Stab. Zwei Meter neben ihm stand eine Fernsehkamera und fing jedes Zucken des Stabhochspringers ein. Sekunden später lief der Kölner an, schnellte sich nach oben, riss die Latte und haute dann noch kurz mit der Faust auf die Sprungmatte. Aber es war nicht wirklich viel passiert. Er hatte nur gerade zum dritten Mal 5,80 Meter gerissen. Damit konnte er nicht Deutscher Meister werden, nur Dritter, das war alles. Den Titel holte sich Danny Ecker aus Leverkusen vor seinem Teamkollegen Lars Börgeling. Alle drei übersprangen 5,70 m, aber Lobinger hatte bei diesem Trio die meisten Fehlversuche. Na und? Viel wichtiger war dem 32-Jährigen, dass zu diesem Zeitpunkt feststand, dass er mit zu den Olympischen Spielen darf. Nach einer Saison, in der er in fünf Wettkämpfen keinen einzigen gültigen Versuch hatte. Aber Lobinger musste zittern, der Wettkampf ging an die Nerven: „Ich war mir lange Zeit nicht sicher, ob ich es packen würde.“

Es war der dramatische Wettkampf, den alle erwartet hatten. Vier Athleten hatten bereits die Norm, zwei weiteren traute man zu, dass sie sie schaffen würden. Aber nur die ersten drei von Braunschweig dürfen nach Athen. Und vor allem: Keiner rechnete mit einem Außenseiter. Aber dieser Außenseiter, der 19-jährige Fabian Schulze von Salamander Kornwestheim mit einer Bestleistung von 5,50 m, hätte Lobinger fast aus dem Rennen geworfen. Es gab eine umstrittene Szene. 5,70 m, zweiter Versuch: Schulze touchiert die Latte, aber die fällt nicht. Schulze ist schon auf der Matte, blickt nach oben, der Kampfrichter hebt die weiße Fahne. Da fällt die Latte doch noch. Der Kampfrichter zeigt Rot. Ungültig. Wäre der Versuch gültig gewesen, dann hätte Schulze die Olympia-Norm gehabt und Lobinger verdrängt. Schulze fluchte, protestierte, vergeblich. Er war vor allem sauer, weil kurz zuvor Danny Ecker auch schon über die Latte war und die dann nach zwei, drei Sekunden doch noch fiel. Aber da war der Versuch schon positiv gewertet worden. „Ich muss mich dafür bei Fabian entschuldigen“, sagte Ecker.

Für ihn ist der Titel ein besonderer Triumph. Er war lange Zeit so verletzt, dass er im vorigen Jahr ans Aufhören dachte. Und gestern konnte er sich erst sicher sein, nach Athen zu fahren, als Björn Otto sich endgültig verpokert hatte. Otto ließ sowohl 5,60 m als auch 5,65 m aus, er stieg erst bei 5,70 m ein. Er hatte noch keine Olympia-Norm, er hatte die schlechteste Ausgangsposition von den Topleuten. Er musste unbedingt diese 5,70 m schaffen. Er scheiterte dreimal. Tim Lobinger aber hatte nach diesem Wettkampf das Schlimmste verhindert: „Bei Olympischen Spielen nur vor dem Fernseher zu sitzen – furchtbar.“

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