Sport : Lockerer Ironman

Der deutsche Triathlet Faris Al-Sultan will am Samstag auf Hawaii seinen WM-Titel verteidigen

Roland Wiedemann[Kempten]

Es gibt die besessenen Typen wie Norman Stadler. 2004 hat der Deutsche den Ironman in Hawaii gewonnen, trotzdem will Faris Al-Sultan nicht so werden wie sein Landsmann. „Wer verkrampft, verliert Kraft“, sagt er. Locker bleiben, lautet sein Motto – und es ist nicht minder erfolgreich. Im letzten Jahr hat Faris Al-Sultan ebenfalls den Ironman auf Hawaii gewonnen. Und am kommenden Samstag will er diesen Titel erfolgreich verteidigen.

2005 hat Al-Sultan auf Hawaii sogar einen Hungerast beim Radfahren überstanden. Bei einer Verpflegungsstation hatte er keine Nahrung erhalten, was bei einem Acht-Stunden-Wettkampf in sengender Hitze fast das Ende ist. Zumal der Triathlon eigentlich aus vier Disziplinen besteht: Schwimmen, Radfahren, Laufen und Essen. Al-Sultan aber trat unverdrossen weiter in die Pedale, bis die nächste Versorgungsstelle kam. Der Mann mit dem arabischen Namen und der bayerischen Sprachfärbung erholte sich und gewann den härtesten Triathlon der Welt.

Anschließend ging Al-Sultan ins nächste Fastfood-Restaurant und aß sechs Portionen Burritos. Das ist ungewöhnlich in einer Branche, in der der Körper wie eine Höchstleistungsmaschine gepflegt wird. „Du musst dir auch mal was gönnen“, lautet Al-Sultans Maxime, „nur dann bist du glücklich und kannst Leistung bringen.“ Und so ist der 28-jährige Ausnahmesportler auch dieses Jahr wieder ab und an mit seinen Freunden in die Disco gegangen und hat ein Bier oder Wodka getrunken. Natürlich nicht jeden Abend. „Ich trainiere hart, fünf bis sechs Stunden am Tag“, sagt Faris Al-Sultan zu seinem Lebensstil, da brauche man mal Abwechslung. „Zumindest ich“, sagt er.

Doch der Sohn einer Deutschen und eines Irakers musste nach seinem größten Erfolg feststellen: Es ist nicht mehr so leicht, stets locker zu bleiben. „Der Druck ist größer geworden.“ Jener, den er sich selber macht und auch der, den die Öffentlichkeit aufbaut. Der dritte deutsche Hawaii-Ironman-Sieger nach Hellriegel und Stadler ist ein gefragter Mann. „In den Jahren zuvor habe ich fünf Interviews in zwölf Monaten gegeben“, erzählt Al-Sultan. „Jetzt gibt es fünf Interviewanfragen pro Woche.“

Um ein bisschen Ruhe zu finden, hat sich Al-Sultan bereits Mitte September nach San Diego abgesetzt. Dort bereitete er sich intensiv auf die Titelverteidigung vor. Die Form sei ganz ordentlich, sagt der Bayer. Aber die vielen Wettkämpfe, die man als Ironman-Sieger mitmachen sollte, haben Kraft gekostet. „Ich fühlte mich in der Pflicht“, sagt Al-Sultan, „als Ironman-Sieger muss man doch was für die Popularität des Triathlonsports tun.“

Reichtum hat ihm der Sieg im vergangenen Oktober nicht eingebracht. Aber danach strebt der Muslim, der es nach eigenem Bekunden mit dem Glauben nicht so streng nimmt, auch gar nicht. Faris Al-Sultan hat noch immer keinen eigenen Manager und lebt bei seinen Eltern in einem Reihenhaus am Stadtrand von München. „Ich bin Single und ständig unterwegs. Da lohnt sich eine eigene Wohnung nicht“, erklärt er. Mit 16 Jahren hat Al-Sultan mit dem Leistungssport begonnen, auf einen eigenen Trainer verzichtet er. Dennoch fühlt er sich auf dem aktuellen Stand der Trainingswissenschaften. „Ich bewege mich nicht im luftleeren Raum“, sagt er.

Bei einigen Kollegen hat Faris sich mit seinen ungewöhnlich klaren Worten zum Thema Doping unbeliebt gemacht. So beklagte er die teilweise laschen Kontrollen. „Das System muss besser werden“, fordert er. Als Faris Al-Sultan vor zwei Jahren nach dem Sieg bei der deutschen Meisterschaft in Roth nicht zur Urinprobe abkommandiert worden war, beschwerte er sich in einem Zeitungsinterview. Drei Wochen später kamen dann die Kontrolleure.

Er glaubt trotz der jüngsten Dopingfälle, dass der Triathlonsport „ziemlich sauber ist“. Weil dabei verhältnismäßig wenig Geld fließe. „Systematisches Doping ist sehr teuer, wie wir durch die Enthüllungen im Radsport wissen“, sagt er. Er selber beteuert, auch diesmal wieder beim Saisonhöhepunkt allein auf das harte Training und seine perfekten physischen Voraussetzungen zu bauen. „Alles ist auf diesen einen Tag auf Hawaii ausgerichtet“, sagt Faris Al-Sultan. Trotzdem gilt auch für den 21. Oktober 2006: Immer locker bleiben.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben