Sport : Löcher in der letzten Linie

Zu viele Gegentore kosten Hertha BSC einen besseren Tabellenplatz

Ingo Schmidt-Tychsen

Berlin - Jesper Grönkjaer läuft dem Vernehmen nach die 100 Meter in acht Sekunden. Der Offensivspieler des VfB Stuttgart hat anscheinend seinen Beruf verfehlt, er hätte nicht Fußballer, sondern Sprinter werden sollen. Dann würde der 28-jährige Däne sich nicht in Bundesligaspielen wie dem gegen Hertha BSC abkämpfen müssen, sondern er wäre längst mit großem Abstand Weltmeister. „Es ist doch kein Schande, wenn du den nicht halten kannst“, sagte Dick van Burik, der Innenverteidiger von Hertha BSC. Van Burik hatte auch das Gerücht von den acht Sekunden in die Welt gesetzt. Obwohl Grönkjaer ein sehr schneller Mann und das Gegenteil noch nicht bewiesen ist, die acht Sekunden waren wohl eher die von van Burik gefühlte Geschwindigkeit, mit der Grönkjaer und seine Kollegen die Abwehr von Hertha am vergangenen Samstag zeitweise durcheinander gewirbelt hatte. Van Burik hatte allerdings auch nur einen Scherz gemacht.

Eine Schande war es nicht, dass Herthas Verteidigung die quirligen Stuttgarter in der zweiten Halbzeit nicht richtig stoppen konnte. Dennoch erstaunte es, dass sich die Abwehr der Berliner so viele Unkonzentriertheiten erlaubte. „Es waren drei individuelle Fehler, die zu den Gegentoren geführt haben“, sagte van Burik. Zwei davon hatten er und sein Kollege aus der Innenverteidigung, Josip Simunic, begangen. „Die Abwehr ist eigentlich unser Markenzeichen“, sagte Trainer Falko Götz nach dem Spiel in Stuttgart. In der abgelaufenen Saison kassierte Hertha in keinem einzigen Bundesligaspiel drei Tore in einer Halbzeit, so wie am Samstag beim 3:3 im Gottlieb-Daimler-Stadion.

Und auch in diese Saison startete Herthas Abwehr, insbesondere die Innenverteidigung, ausgezeichnet: In den ersten fünf Bundesligaspielen blieben die Berliner drei Mal ohne Gegentor. Der linke Verteidiger Malik Fathi und der rechte Abwehrspieler Arne Friedrich waren da noch nicht so richtig in Schwung gekommen. Inzwischen spielen Friedrich und Fathi recht sicher, während Simunic und van Burik jeweils in zwei von den vergangenen drei Bundesligaspielen unkonzentriert wirkten. Beim 0:3 in Bielefeld vor zwei Wochen wurde das erstmals richtig deutlich, aber selbst beim 3:1-Heimsieg gegen Mainz zeigte die Defensive Schwächen. Einzig durch den überragenden Torhüter Christian Fiedler kassierten die Berliner nur ein Gegentor.

Am defensiven Mittelfeld um Pal Dardai liegt es nicht, dass Hertha nach elf Spieltagen bereits 16 Tore hinnehmen musste. Denn das steht genauso kompakt wie in der vergangenen Saison, als Hertha in 34 Spielen nur 31 Gegentore kassierte. „Ich glaube, dass zurzeit einfach die Frische fehlt“, sagte Christian Fiedler. Die Berliner mussten in DFB-Pokal, Uefa-Cup und Bundesliga zuletzt fünf Spiele in zwei Wochen absolvieren. Kommenden Samstag kommt der 1. FC Kaiserslautern ins Olympiastadion. Simunic, der wegen seiner fünften Gelben Karte gegen Kaiserslautern fehlen wird, will sich vorübergehend nur auf das Fußballspielen konzentrieren: „Ich sage erst einmal nichts mehr zu meinen Leistungen oder denen der Mannschaft.“

Abwehrspieler Malik Fathi hält es für unfair, nur einen Mannschaftsteil für die Gegentore verantwortlich zu machen. „Die ganze Mannschaft hat nicht so gut verteidigt“, sagte Fathi. Und trifft damit wohl den Nerv. „Wir müssen uns auf unsere Basis besinnen“, sagte Götz und meinte damit das Defensivverhalten der Mannschaft. Die wenigen Gegentore in der vergangenen Saison ließen die Mannschaft letztlich erfolgreich spielen.

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