Sport : Löchriger Etat

SCC-Volleyballer brauchen für die Saison noch viel Geld

Karsten Doneck

Berlin. Der Kreis war überschaubar. Als Mirko Culic zum ersten Training bat, erschienen nur drei Mann. „Sollen wir ein bisschen Fußball spielen?“, fragte Culic in die kleine Runde. Sebastian Prüsener, Manuel Rieke und Jaroslav Skach schüttelten den Kopf. Ihnen stand der Sinn nach Volleyball. „Wir haben dann im athletischen Bereich eine Menge getan“, sagt Trainer Culic. Mehr ging nicht. Um ein richtiges Volleyballspielchen aufzuziehen, sind nun mal zwölf Spieler vonnöten. Die konnte der Deutsche Meister SC Charlottenburg am 1. September beim Start der Vorbereitungen auf die neue Bundesliga-Saison aber noch nicht aufbieten.

„Damit kein falscher Eindruck entsteht: Unsere anderen Spieler sind nicht etwa unpünktlich oder unzuverlässig. Sie waren international im Einsatz“, sagt SCC-Manager Kaweh Niroomand. Erst nach und nach trudelte der Rest ein, aus dem Iran von der Junioren-WM oder aus Korea von der Studenten-WM. Als nach langem Hin und Her um die Einreiseformalitäten am vergangenen Montag auch der neue Mittelblocker Aleksandar Spirowski aus Belgrad beim Training erschien, war der SCC komplett, und Niroomand behauptet jetzt: „Diese Mannschaft ist die stärkste, die wir jemals hatten.“

Ist sie auch stark genug, um den Dauerrivalen VfB Friedrichshafen wieder hinter sich zu lassen? Da hat Niroomand Zweifel. „Unser Erzrivale kann es sich nicht noch mal erlauben, die Meisterschaft zu verpassen. Deshalb haben die diesmal – statt wie sonst eine Europaauswahl – gleich eine Weltauswahl mit zwei Brasilianern zusammengestellt. Die werden kaum zu schlagen sein, aber wir wollen ihnen das Leben schwer machen.“

Der SCC ist finanziell für die neue Saison wieder bis an seine Schmerzgrenze gegangen, vielleicht sogar etwas darüber. Der Etat für die neue Saison liegt bei 600000 Euro. Aber es fehlt ein Hauptsponsor. Demnach tut sich eine Deckungslücke auf, über die Höhe schweigen die Verantwortlichen geflissentlich. Es wird gemunkelt, dass noch ein knappes Drittel der Etatsumme offen ist.

Einen erheblichen Kostenfaktor stellt für die Charlottenburger die Teilnahme an der Champions League dar. „Die Auflagen sind so hoch, dass wir erst einmal zusammengezuckt sind“, sagt SCC-Geschäftsführer Günter Trotz. Für die vom europäischen Verband (CEV) vorgeschriebenen Übertragungen im Fernsehen, mindestens 54 Minuten pro Spiel, müssen die teilnehmenden Vereine allein 22500 Euro abführen, zudem muss jeder Klub einen nationalen Sponsor präsentieren, der bereit ist, mindestens 14000 Euro zu zahlen – an die CEV. Die eigenen Vermarktungsmöglichkeiten der Spiele sind arg begrenzt, weil die Werbebanden von der CEV aufgestellt werden. Der SCC nimmt trotzdem teil, die beiden holländischen Vertreter haben hingegen ihren Verzicht erklärt.

Doch am kommenden Wochenende beginnt nun erst einmal die Bundesligasaison. Der SCC tritt bei Aufsteiger SG Eltmann an. Ein Sieg des Meisters darf erwartet werden, nicht unbedingt aber auch viel Spielharmonie. Dazu trainieren die Spieler halt noch nicht lange genug miteinander.

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