Sport : Lösung mit Logik

Bei der Suche nach einem Nationaltrainer läuft alles auf Ottmar Hitzfeld hinaus

Daniel Pontzen[München]

Allein Gerhard Mayer-Vorfelder wehrte sich dagegen, Ottmar Hitzfeld als Trainer zu holen. Am Ende habe „MV“ Hitzfelds Verpflichtung sogar verhindert, mit der fadenscheinigen Begründung, er wolle den Trainer nicht einem übermächtigen Druck aussetzen. Nie habe Mayer-Vorfelder einen Zugang zum Charakter Hitzfelds gefunden, „Hitzfeld dürfte für ‚MV’ ein viel zu selbständig denkender Mensch gewesen sein.“ Das alles ist nachzulesen in Ottmar Hitzfelds Biografie.

Im Gegensatz zu jener Episode aus dem Jahre1987, als der VfB Stuttgart auf der Suche nach einem neuen Trainer war, wird der damalige VfB- und heutige DFB-Präsident Mayer-Vorfelder Hitzfelds Verpflichtung diesmal nicht verhindern. „Dass Hitzfeld ein Name ist, der in allen Überlegungen eine Rolle spielen wird, ist ganz klar“, hat Mayer-Vorfelder gesagt. Einen anderen Namen außer Hitzfelds hat er nicht genannt.

Von Hitzfeld selber war zu hören, er sei „gesprächsbereit“. Aber erst einmal müsse der DFB auf ihn zukommen. „Davor will ich das total offen lassen. Die Entscheidung ist nicht gefällt.“ Mit dem Rücktritt von Rudi Völler habe er jedenfalls nicht gerechnet. Das alles verkündete Hitzfeld fernmündlich aus dem Urlaub in der Schweiz. Denn im Tagesspiegel-Interview hatte er kürzlich gesagt: „Was sicher ist: Dass ich bis zum 1. Juli keinen Verein übernehmen werde. Ich hoffe, dass ich ein Jahr nichts mache.“ Und wenn sich durch die EM eine neue Situation ergäbe? „Deswegen habe ich gesagt, ich mache keine Mannschaft vor dem 1. Juli.“

Was qualifiziert den 55-Jährigen eigentlich zum einzig logischen Nachfolger Rudi Völlers? Experten, Funktionäre, Spieler und Fans sind sich einig, dass nur Hitzfeld in Frage kommt, Deutschland erfolgreich auf die WM 2006 vorzubereiten. Brächte heute jemand im Bundestag die Vorlage ein, Hitzfeld per Gesetz zum Bundestrainer zu bestimmen, es gäbe vermutlich keine Gegenstimme, so groß ist sein Rückhalt in Deutschland. „Ohne unserem Präsidenten vorgreifen zu wollen, wäre seine Verpflichtung eine logische Konsequenz“, hat auch Franz Beckenbauer gestern gesagt. „Ottmar ist das Beste, was der deutsche Fußball im Trainerbereich zu bieten hat.“ Kürzlich hatte er das, als Aufsichtsratsvorsitzender von Bayern München, noch ein wenig anders formuliert. Das allgemeine Vertrauen in Hitzfelds Eignung speist sich aus beeindruckenden Zahlen. Hitzfeld ist der bisher erfolgreichste deutsche Vereinstrainer; 16 Titel hat er geholt.

Zudem deutet sein Kosename Gentleman auf eine Qualität hin, die ihm ebenfalls landesweit großen Respekt eingebracht hat. Hitzfeld blieb stets seiner Sachlichkeit treu. Mit der Presse geriet er nie aneinander. Manchmal langweilten seine knitterfreien Aussagen, doch die Formel „Keine Abrechnungen plus keine Drohgebärden gleich kein Feinde“ ging auf. Nach seiner Entlassung im Mai bei Bayern München, die sportlich nachvollziehbar war, solidarisierte sich das ganze Fußballland mit Hitzfeld. Er selbst jedoch weigerte sich beharrlich, die unfeinen Umstände seiner Demission kritisch zu kommentieren. Seiner Popularität tat all das keinen Abbruch, im Gegenteil.

Die Aufgabe als Bundestrainer wird die schwierigste Prüfung für ihn, aber er muss sie annehmen, das weiß er. In seiner Biografie hat er erklärt, dass er sich vor größeren Aufgaben nie gescheut habe. Auch zum VfB Stuttgart wäre er seinerzeit gegangen.

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