Sport : Lohnendes Geschäft für Fifa-Funktionär

Vizepräsident des Fußball-Weltverbandes verkauft seinen Landsleuten auf Trinidad teure WM-Reisen

Robert Ide[Frankfurt am Main]

Beim Verkauf von Eintrittskarten für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gibt es offenbar auch Probleme in Übersee. Nach Angaben von Ticket-Interessenten werden die den Teilnehmerländern zustehenden Eintrittskarten nicht immer ordnungsgemäß verkauft. Demnach sollen in Trinidad & Tobago Karten für einzelne Spiele der Nationalmannschaft nur im Paket mit teuren Reisen zu fünfstelligen Dollarsummen erhältlich sein. „Wenn das so sein sollte, wäre das gegen die Vorschriften des offiziellen Kartenverkaufs“, sagte Horst R. Schmidt, Vizepräsident des WM-Organisationskomitees, dem Tagesspiegel. Schmidt, der für den Kartenverkauf der WM zuständig ist, konnte allerdings zu Details des Verkaufs in Trinidad & Tobago keine Angaben machen. Dies liege in der Verantwortung des Landesverbandes.

Jedem Landesverband stehen acht Prozent der Karten für die Spiele mit eigener Beteiligung zu. WM-Neuling Trinidad & Tobago trifft in der Vorrunde auf England, Schweden und Paraguay. Nach einem Bericht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) werden auf Trinidad Karten für diese Spiele ausschließlich in teuren Paketen inklusive Quartierkosten verkauft. Mit dem Geschäft wurde vom nationalen Verband eine Reiseagentur beauftragt. Diese Agentur gehört der Familie von Jack Warner, dem Vizepräsidenten des Weltverbandes Fifa.

In Fifa-Kreisen gilt Warner als enger Vertrauter des Präsidenten Joseph S. Blatter. Vor den Präsidentenwahlen hatte sich Warner als Stimmensammler für Blatter hervorgetan, nahezu zeitgleich stieg er zum Fifa-Vizepräsidenten und zum Millionär auf. Jack Warner, der die Anschuldigungen wegen der Tickets als Kampagne gegen seine Person sieht, wird von dpa mit den Worten zitiert: „Es ist kein Verbrechen, erfolgreich zu sein. Nicht einmal für Menschen wie mich.“

Eine offizielle Bestätigung der Verkaufspraxis durch den Weltverband Fifa war am Freitag nicht zu erhalten. „Wir werden dem Vorgang nachgehen“, kündigte Kommunikationsdirektor Markus Siegler auf Nachfrage an. Ob die Fifa vom Landesverband eine Stellungnahme anfordert, ist noch offen.

Nach Aussage von Schmidt ist es durchaus üblich, dass Verbände die an sie verteilten Tickets zum Verkauf an Reisebüros weitergeben. Auch das Angebot von Reisepaketen sei in vielen Ländern gängige Praxis. Die Kooperationsverträge der Verbände mit den Anbietern müssten allerdings von der Fifa genehmigt werden. „Dabei muss immer klar sein, dass Reisepakete nur ein zusätzliches Angebot sein dürfen“, sagte Schmidt. „Kein Landesverband darf seine Karten ausschließlich über teure Pakete anbieten.“ Ob genau das in Trinidad & Tobago der Fall war, soll nun auch dort von offizieller Seite geprüft werden. Premierminister Patrick Manning kündigte eine Untersuchung an.

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