Sport : Lokonda Emile Mpenza: Gänseleber, Pasteten, Hummer - und Emile

Martin Hägele

Osaka, vor vier Jahren, Abschlussbankett einer Journalisten-Runde aus der ganzen Welt, denen der japanische Verband eine Woche lang seine WM-Tauglichkeit vorgeführt hat. Für jedes Land muss ein Vertreter eine Rede halten, die lustigste aber ist die des belgischen Kollegen. Der sagt: "Wenn ihr im Jahr 2000 zur Europameisterschaft kommt, habt ihr eine schwere Entscheidung vor euch. Wer guten Fußball sehen will, der soll nach Holland reisen, wer gut essen und trinken will, fährt besser nach Belgien."

Natürlich haben alle gelacht über diese Einladung, obwohl diese Einschätzung gestimmt hat. Die stimmte auch noch vor zwei Jahren bei der EM: Mit drei Unentschieden und grässlichem Minimalisten-Gekicke kegelte sich das Team um die älteren Herrschaften van der Elst und Scifo selbst aus dem Wettbewerb. Erschütternd war das vor allem für Marc Wilmots. Der Mann, dem wegen seiner professionellen Einstellung vom Schalker Publikum der Ehrentitel "das Kampfschwein" verliehen wurde, wurde von seinen Landsleuten im Stich gelassen.

Dass sich nun zehn Millionen Flamen und Wallonen im Königreich Belgien nicht nur darauf freuen, ihren Besuchern Gänseleber, Pasteten und Hummer servieren zu können, hängt mit deren neuen Chef zusammen. Um mit jungen Menschen richtig umzugehen, damit die obendrein den Ball attraktiv behandeln, helfen offenbar eine humanistische Ausbildung und ein paar Jahre als Sportjournalist. Trotz dieses Vorlebens hat der 60-jährige Robert Waseige nicht nur den entsprechenden Draht zu den Profis, sondern auch ein Konzept gefunden.

Und er bot Talenten eine Chance. Lokonda Emile Mpenza ist davon das größte. Mit seinen 21 Jahren gehört der Stürmer schon zu den Erfahrenen, immerhin hat er schon mit 17 Jahren in der ersten belgischen Liga gespielt und war kurz vor Weihnachten Schalke 04 den Rekordtransfer von 17 Millionen Mark wert. Bei diesem Geschäft hat auch Marc Wilmots mitgeholfen, vom ständigen Zusammenspiel in der Bundesliga sollte auch die belgische Nationalelf profitieren. Dass es dann doch nicht so gut geklappt hat wie erhofft, lag auch daran, dass das Idol Mark Wilmots in der Rückserie eine kleine Krise bekam. Der flinke und auf dem Platz unheimlich freche Emile entwickelte sich trotzdem sofort zum Publikumsliebling im Parkstadion. Der Respekt vor dem technisch so hochveranlagten Torjäger sprach sich schnell rum in der Bundesliga. Mehrere Klubs veränderten wegen Mpenza ihre Abwehrformationen, stellten ihre laufstärksten Mittelfeldspieler als Sonderbewacher ab für Mpenza - mit Härte und Tackling ist der Junge nämlich nicht in den Griff zu kriegen.

Im belgischen Nationalteam genießt Mpenza schon Sonderstatus. Obwohl mit Luc Nilis ein äußerst gewiefter Typ und mit dem eingebürgerten Kroaten Branko Stupar ein ehrgeiziger und aufstrebender Goalgetter zur Verfügung stehen, müssen sich beide um den Platz als Partner Mpenzas streiten.

Früher hatten sich die Medien in Lüttich, Antwerpen und Brügge wegen des jungen Emile Mpenza in die Haare gekriegt. Er sei ein Hallodri und Haudrauf, der das lockere Leben liebe, hatte es geheißen, als Schalke 04 den Transfer von Standard Lüttich einfädelte. In Deutschland aber wunderten sie sich, wieso ein junger Mensch, der im Porsche vorfährt und mit Nathalie, der "Miss Belgien von 1997" zusammenlebt, so still und in sich gekehrt sein kann.

Emile Mpenza ist schon früh gefeiert worden, war bereits mit 19 Jahren Nationalspieler. Mit seinem Wechsel in die Bundesliga hat er beschlossen, erwachsen zu werden und auch international reif. Die Chance, diesen Prozess auch seinen Landsleuten zu demonstrieren, kann nicht besser sein. Schließlich hat er deshalb auch den Vornamen Emile ausgesucht. "Lokonda ist mein Name aus Zaire. Als ich mit meiner Familie nach Belgien gekommen war, wurde ich gefragt, ob ich einen anderen Namen annehmen will. Und Emile hat mir gut gefallen."

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