London-Marathon : Sieg von der Spitze

Irina Mikitenko dominiert den London-Marathon und gewinnt in neuer deutscher Rekordzeit.

Jörg Wenig[London]

Zwölf Jahre nach dem Sieg der Berlinerin Uta Pippig in Boston hat eine deutsche Läuferin wieder eines der ganz großen Marathonrennen gewonnen: Mit einer beeindruckenden Leistung siegte Irina Mikitenko beim London-Marathon.Von der Spitze weg bestimmte die 35-Jährige das Rennen und ließ den äthiopischen Stars Gete Wami und Berhane Adere keine Chance. Am Ende wurde sie für ihren couragierten Lauf mit dem größten Sieg ihrer Karriere belohnt. In deutscher Rekordzeit von 2:24,14 Stunden stürmte Mikitenko am Buckingham-Palast ins Ziel. 65 000 US-Dollar an Sieg- und Zeitprämien verdiente sich die Läuferin aus Freigericht (Hessen), die ursprünglich aus Kasachstan stammt. Das Doppelte kassierte der kenianische Männer-Sieger Martin Lel, der in 2:05:15 Stunden auch den Streckenrekord brach.

Um 21 Sekunden verbesserte Mikitenko die offizielle deutsche Rekordzeit, die Katrin Dörre-Heinig 1999 in Hamburg aufgestellt hatte. Mikitenko war in London als Außenseiterin an den Start gegangen. Nach einer erfolgreichen Karriere über die Bahnlangstrecken, in der sie unter anderem 2000 Olympia-Fünfte über 5000 Meter geworden war, war sie erst vor gut einem halben Jahr ihren ersten Marathon gelaufen. In Berlin erzielte sie dabei als Zweite auf Anhieb eine Topzeit von 2:24,51 Stunden. Nach einem vierwöchigen Trainingslager in Kirgisien war sie Mitte März in Paderborn bereits im Halbmarathon mit 68,51 Minuten persönliche Bestzeit gelaufen. Trotzdem hatten sie die englischen Buchmacher nicht richtig auf der Rechnung. Wettquoten zwischen 10 zu 1 und 18 zu 1 wurden auf ihren Sieg angeboten.

„Ich habe mich topfit gefühlt und wollte noch schneller laufen“, sagte Irina Mikitenko, die sich eine Zeit um 2:21 Stunden zutraut. „Bei Kilometer 30 wusste ich, dass ich eine Siegchance haben würde.“ Vier Kilometer vor dem Ziel löste sie sich von den letzten beiden Konkurrentinnen, den am Ende hinter ihr platzierten Swetlana Sacharowa (Russland/2:24:39) und Gete Wami (2:25:37). „Dies war für mich ein idealer Test für die Olympischen Spiele. Aufgrund der starken Konkurrenz bin ich auch in London gelaufen und nicht bei einem deutschen Marathon“, sagte Mikitenko, die nun als zweite deutsche Läuferin nach der dreimaligen Siegerin Katrin Dörre-Heinig (1992 bis 1994) den London-Marathon gewonnen hat.

„Jetzt habe ich gesehen, dass ich in einem Marathon sogar selbst das Tempo bestimmen kann.“ Dieser Stil erinnert an Weltrekordlerin Paula Radcliffe, die in London wegen einer Zehenverletzung fehlte. Ob sie sich zutraut, im olympischen Marathon auch Radcliffe zu schlagen, wurde Mikitenko in London gefragt: „Bis dahin ist es noch eine Weile hin, wir werden sehen. Wer am besten vorbereitet ist, der wird gewinnen.“ Irina Mikitenko immerhin scheint bereit zu sein.

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