Sport : Lose Zweige über dem Abgrund

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Man kann der Regierung Berlusconi nicht viel zugute halten. Die treffendste Analyse des aktuellen Wettskandals aber hat der italienische Innenminister geliefert. Der Calcio habe seine Lektion nicht gelernt, sagte Roberto Maroni, das System sei nicht in der Lage, die nötigen Antikörper zu bilden.

Fünf Jahre nach dem Manipulationsskandal, der ganz Italien erschütterte und Rekordmeister Juventus Turin in die Zweite Liga beförderte, tun sich erneut Abgründe auf, die offensichtlich nur mit losen Zweigen verdeckt wurden. Profis, Nationalspieler und nun auch Klubchefs – alle haben dort weitergemacht, wo andere vor einigen Jahren aufgehört haben.

Damit zeigt sich, dass die Aufarbeitung des letzten Skandals nur oberflächlich war. Die Strafen gegen fast alle beteiligten Personen und Vereine wurden damals nach und nach abgemildert. Und auch wenn die Sperre des Meister-Manipulateurs Luciano Moggi jüngst in eine lebenslängliche umgewandelt wurde, gilt es als offenes Geheimnis, dass er hinter den Kulissen weiter als Berater aktiv war.

Der italienische Fußball ist an einem Punkt angekommen, an dem er sich nicht mehr helfen kann, an dem er nicht mehr als fairer Wettbewerb ernst zu nehmen ist, so wie die großen Touren im Radsport. Hilfe könnte nur von mutigen Staatsanwälten kommen, die selbst die Mafia nicht fürchten und die es auch waren, die die Manipulationen aufdeckten. Die Frage aber lautet, wie viel Eingriff von außen in den Fußball Fifa und Uefa zulassen werden. Dass die Regierung Berlusconi kein Hoffnungsträger in Sachen Transparenz ist, versteht sich leider von selbst.

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