Louis van Gaal : Der starke Mann stellt sich quer

Bayern München will Trainer Louis van Gaal – und der will nach München. Doch der Präsident des AZ Alkmaar hat etwas dagegen.

Thomas Becker[Alkmaar]
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Das letzte Foto? Der Ruf des FC Bayern könnte Trainer van Gaal (rechts) und Präsident Scheringa (Mitte), hier bei der Meisterfeier...

Sie standen lange ziemlich weit auseinander bei diesem letzten Meisterschaftsempfang des AZ Alkmaar. In der Kees-Kist-Lounge des DSB-Stadions spielte sich eine Tanzkapelle durch die Hitparaden, die Gäste hielten sich an Bier und Wein, als der Präsident die Initiative ergriff: Dirk Scheringa schüttelte ein Rudel Journalisten ab, gesellte sich zu seinem – von einem Rudel Journalisten umgebenen – Trainer Louis van Gaal, was wiederum ein Rudel Fotografen auf den Plan rief. Und denen gab der Trainer ein tolles Motiv, drückte seinem Chef einen Kuss auf die Wange und rief: „Dirk, ich liebe dich!“

Trainerwechsel gehen selten ohne Komplikationen über die Bühne, aber das Schauspiel, das derzeit in Alkmaar und München gegeben wird, hat das Zeug zum Bühnenstück. So unsicher die Lage immer noch ist, eines steht fest: Louis van Gaal gefällt sich in der Hauptrolle. Der Niederländer lässt die Reporter zappeln, kokettiert: „Ich hab ja jetzt Urlaub und am Dienstag ist ein schönes Spiel in München. Das werde ich mir anschauen.“ Ob im Fernsehen oder auf der Tribüne? „Ist beides möglich.“ Ratlose Gesichter hinterlässt van Gaal, wenn er sagt: „Das ist sehr kompliziert. Wenn ich alles erkläre, würde ich sehr viel zerstören.“

Ein paar Fakten bleiben immerhin: Er müsse das mit fünf Menschen in der Führung seines Klubs klären, sagt van Gaal. Der FC Bayern sei nicht das Thema; der brauche sich auch nicht einzumischen. Und: Diese Woche werde es wohl nichts mehr mit der Einigung. Am Montagabend traf sich van Gaal mit Scheringa zum Abendessen. In Gesprächen wie diesen liegt wohl der Schlüssel zum Wechsel van Gaals zu Bayern München.

Louis van Gaal will zum FC Bayern, der FC Bayern will van Gaal, aber keine Ablöse zahlen – so weit, so klar. Die Lösung des Problems liegt bei Präsident Scheringa, der keinen Nachfolger für van Gaal hat und ihn auch nicht ziehen lassen mag. In der Tageszeitung „de Volkskrant“ hatte er sich verwundert darüber geäußert, dass der FC Bayern in den Medien über einen Wechsel rede, ohne mit Alkmaar gesprochen zu haben. „Ich weiß nichts von Bayern. Ich weiß aber, dass ich mit einem Top-Trainer in die Champions League will: mit Louis van Gaal. Deshalb bestehe ich darauf, dass er seinen Vertrag bis 2010 erfüllt.“ Aber hat van Gaal sich nicht durch den Titelgewinn das Entgegenkommen des Vorstands verdient? „Dafür hat er ein gutes Gehalt bekommen. Ich denke, sogar das beste in den Niederlanden.“

Der 58 Jahre alte Präsident dürfte kein einfacher Verhandlungspartner sein. Seit 1993 ist Scheringa der starke Mann beim AZ Alkmaar, führte den Klub aus der Zweitklassigkeit, spendierte vor drei Jahren ein neues Stadion und ist, obwohl er zuweilen als „holländischer Abramowitsch“ bezeichnet wird, beliebt bei den Fans. „Dirk bedankt“ schallte es bei der Meisterfeier am Sonntag durchs Stadion. Nach van Gaal schrie niemand. Scheringa kommt von unten. Fing als Wachtmeister an, schlug aber dank seines Hobbys (Steuererklärungen) bald eine andere Karriere ein und ist heute Chef der DSB-Bank und einer der reichsten Männer in den Niederlanden. Als ihn ein Magazin unter den 500 Reichsten des Landes mit einem Besitz von 285 Millionen Euro an Position 97 taxierte, soll er prompt angerufen haben: „Stimmt nicht. Ich hab'' mehr.“ Er ist Kunstmäzen, hat das „Scheringa-Museum für Magischen Realismus“ bauen lassen und besitzt ein Eisschnelllaufteam.

Diesen Mann muss nun Uli Hoeneß überzeugen, will der Bayern-Manager derjenige sein, der in der kommenden Saison neben Louis van Gaal von den Münchener Fotografen abgelichtet wird. Eines ist jetzt schon sicher: Mit van Gaal würde sicher auch die kommende Saison in München äußerst unterhaltsam werden.

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