Lucca Staiger : Nicht nur an der Dreierlinie rumstehen

Lucca Staiger kommt mit großen Zielen zu Alba. Doch er wird um jedes Minütchen auf dem Feld kämpfen müssen.

Helen Ruwald
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Bye-bye. Lucca Staiger hielt es in Iowa nicht mehr aus.Foto: AFPGETTY IMAGES NORTH AMERICA

BerlinBerlin - Es sieht aus wie eine Endlosschleife, das Video auf der Homepage von Alba Berlin. Ein ums andere Mal wirft der Spieler mit der Nummer fünf im weinroten Trikot aus großer Entfernung auf den Korb – und jedes Mal fällt der Ball durch den Ring. Ein Dreier, zwei Dreier, drei Dreier... zehn Distanzwürfe waren es am Ende, mit denen Lucca Staiger am 17. November für die Iowa State University einen neuen Rekord aufstellte. Doch rund zwei Monate später hielt er es nicht mehr aus in den USA. Er brach sein Studium der Kommunikationswissenschaften ab und packte die Koffer. „Ich möchte nicht immer nur an der Dreierlinie rumstehen. Ich möchte mehr Freiheit auf dem Feld. Die letzten Monate habe ich mich gequält“, sagte der 21 Jahre alte deutsche Basketball-Nationalspieler gestern, als er bei Alba vorgestellt wurde. Mehr Verantwortung hätte er in Iowa gern übernommen, „dann hätten wir das eine oder andere enge Spiel gewinnen können“. Ab und zu wagte er es, aus dem System auszubrechen: „Dann bin ich ausgewechselt worden und habe es nicht mehr versucht.“

In Iowa spielte Staiger im Schnitt 26,5 Minuten, in Berlin wird er um jedes Minütchen kämpfen müssen. Viele seiner jungen Vorgänger kamen mit großen Hoffnungen und verabschiedeten sich irgendwann voller Frust. Das kann Staiger nicht schrecken. „Ich weiß, ich werde im nächsten halben Jahr nicht viel spielen. Ich werde das Team von der Bank aus anfeuern und versuchen, ein guter Mannschaftskollege zu sein.“ Sein Vertrag läuft bis Sommer 2012, schon in der kommenden Saison will Staiger regelmäßig spielen – und viel. Heute muss er sich noch damit begnügen, Albas Spiel beim Deutschen Meister Oldenburg im Fernsehen anzuschauen (19 Uhr, live im DSF). Bislang hat er die Auftritte seiner neuen Kollegen nur im Internet beobachtet: „Die Mannschaft hat Spaß, man sieht, dass jeder jeden leiden kann.“

Schon im letzten Sommer war ein Wechsel zu Alba im Gespräch gewesen. „Dann hat Headcoach McDermott versprochen, dass alles anders und besser wird. Aber es hat sich nichts geändert. Ich musste einen Schlussstrich ziehen“, erzählte Lucca Staiger gestern. Früher wurde er in Iowa für seine Dreier gefeiert, seit seinem Abschied wird er bei Facebook von ehemaligen Fans heftig beschimpft, weil er mitten in der Saison abgehauen sei. Seine Universität zitierte Staiger mit den Worten, er sei mit dem Traum, es in die NBA zu schaffen, nach Amerika gekommen, aber „ich habe festgestellt, dass das weniger wahrscheinlich geworden ist“. Deshalb gehe er zurück in die Heimat. Dies habe er nie gesagt, beteuerte der 21-Jährige. Er träumt immer noch, auch wenn die einzige Verbindung zur NBA die Trikotnummer 24 ist, die auch sein Vorbild Kobe Bryant trägt. Damit habe das aber nichts zu tun, behauptet Albas Neuzugang und bietet eine erstaunliche Erklärung für seine Wahl: „Es gefällt mir, wie die 24 aussieht.“

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