Lucien Favre : Ein Schweizer für Berlin

Lucien Favre soll neuer Trainer bei Hertha BSC werden. Den Coach des FC Zürich würde der Wechsel allerdings die Champions-League-Teilnahme kosten.

Berlin – Hertha BSC wird heute oder morgen einen neuen Cheftrainer für seine Bundesligamannschaft vorstellen. Nach Informationen des Tagesspiegels soll es sich dabei um Lucien Favre handeln. Der 49 Jahre alte Trainer ist in der vergangenen Woche mit dem FC Zürich Schweizer Meister geworden und hat den Titel von 2006 erfolgreich verteidigt. Damit wäre auch klar, dass Herthas bisheriger Trainer, Karsten Heine wieder zur zweiten Mannschaft zurückkehrt. Bis zu seiner Beförderung zum Cheftrainer an Ostern hatte der 52-Jährige Herthas Regionalligamannschaft betreut. Die ist inzwischen in die Oberliga abgestiegen.

Lucien Favre ist kein völlig Unbekannter in Berlin. Der Schweizer warf 2001 mit seinem damaligen Verein Servette Genf den Berliner Bundesligisten aus dem Uefa-Cup. Bereits in der Vorwoche hatte Hertha mit dem Schweizer Trainer des Jahres 2006 Kontakt aufgenommen. Favre, der als Mittelfeldspieler 24 Mal für die Nationalmannschaft seines Heimatlandes spielte, hat mit dem FC Zürich einen Vertrag bis 2008. Als Meister wird der Klub an der Qualifikation zur Champions League teilnehmen. Auch deswegen konnte man sich bis gestern in Zürich nicht vorstellen, dass Favre sich für die Bundesliga und Hertha entscheiden würde.

Ancillo Canepa, der Präsident des Schweizer Meisters, berichtete noch an Pfingsten davon, dass er mit Favre vor einigen Tagen ausführlich die nächste Saison besprochen habe. Allerdings sei dabei auch vereinbart worden, dass der Klub bei einem wirklich interessanten Angebot für Favre mit sich reden ließe. Gestern sagte er, dass Favre sich im Urlaub befände. Allerdings soll sich Favre gestern in Berlin aufgehalten haben.

Klar war immerhin, dass der geschäftsführende Beteiligungsausschuss von Hertha gestern Abend tagte und sich alle nicht anwesenden Mitglieder des höchsten Vereinsgremiums telefonisch bereitzuhalten hatten. Transfers von dieser Bedeutung müssen vom Beteiligungsausschuss abgesegnet werden.

Bis Pfingstmontag hatte Herthas Manager Dieter Hoeneß von drei, vier ernsthaften Kandidaten für das Traineramt gesprochen. Darunter war auch immer noch Karsten Heine gewesen, der die Mannschaft von Falko Götz Anfang April 2007 übernommen und vor dem Abstieg bewahrt hatte. Heines Bilanz war ausgeglichen, aber ungewöhnlich. Drei Auswärtsspiele wurden unter seiner Leitung gewonnen, die drei Heimspiele im Olympiastadion waren verloren gegangen. Die Spieler hatten sich immer wieder für eine Weiterbeschäftigung Heines ausgesprochen. Heine selbst hatte stets betont, wie gern er diese Arbeit fortsetzen würde. Am Pfingstmontag noch war er von der Vereinsführung darüber informiert worden, dass die Entscheidung sich noch etwas hinzöge.

Mit einer Entscheidung in der Trainerfrage wäre Herthas Saisonplanung um den wesentlichen Baustein fortgeschritten. Hoeneß hatte mehrmals angedeutet, dass der Trainer der kommenden Saison wesentlich bei den Neuverpflichtungen mitreden werde. Bisher steht ein Zugang fest. In dem 27-jährigen Tschechen Jaroslav Drobny, der sich beim VfL Bochum mit guten Leistungen in den Vordergrund gespielt hatte, verpflichtete Hertha vor ein paar Tagen eine neue Nummer 1. „Eigentlich wollten wir erst die Trainerfrage klären, aber in dem Fall war es uns wichtig, eine Entscheidung herbei zu führen“, hatte Hoeneß nach dem Transfer gesagt. Drobny soll auch von Celtic Glasgow umworben gewesen sein. Nun wird Hertha auch eine neue Nummer 10 als Ersatz für Spielmacher Yildiray Bastürk präsentieren. Als erster Anwärter gilt der Brasilianer Alex von Fenerbahce Istanbul. Der Torschützenkönig der türkischen Liga (19 Saisontreffer) ist ablösefrei.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben