Ludger Beerbaum : Neustart nach Schwächephase

Der Ehrgeiz ist ungestillt. Trotz vier Mal Olympia-Gold und mehr als einem Dutzend WM- und EM-Medaillen will Ludger Beerbaum 2007 wieder durchstarten.

Leipzig/Riesenbeck - "Ich habe ein bisschen geschwächelt", sagte der erfolgreichste aktive Springreiter der Welt vor dem ersten internationalen Turnierstart am Wochenende beim Weltcup in Leipzig: "Mein Ziel ist es ja nicht, nur ein bisschen mitzureiten." Dass es zuletzt immer seltener der gewohnte Rang eins, sondern "häufiger nur Platz acht oder neun war", hat den zielstrebigen Sportler sichtlich genervt.

"Zu sagen, es ist ein richtiger Neuanfang, wäre sicher übertrieben", sagte Beerbaum. Aber eine Art Neustart sei es angesichts des Verkaufs von L'Espoir vor zwei Wochen schon. Der zehnjährige Fuchswallach galt beim Kauf vor zwei Jahren als die große Hoffnung, doch der fünften Platz im Einzel und dritte mit der Mannschaft bei der Weltmeisterschaft in Aachen waren dem erfolgsverwöhnten Reiter zu wenig. Der überraschende Verkauf des WM-Pferdes zeigt deutlich, wie hoch der eigene Anspruch bei dem 43 Jahre alten Profi ist, der auf Rang zehn der Weltrangliste abgerutscht ist.

Nachfolger für L'Espoir gesucht

"Die letzte Konstanz fehlte ihm", erklärte der achtmalige deutsche Meister. Dass L'Espoir nicht die Klasse von Meredith Michaels-Beerbaums Shutterfly oder Marcus Ehnings Toppferden hat, lässt sich zudem an den Ergebnislisten der vergangenen Monate ablesen. Daher verkaufte Beerbaum L'Espoir für die Besitzer, die Familie Winter-Schulze, nach Norwegen. Geir Gullikson will den Wallach beim Weltcup-Turnier in Leipzig, das an diesem Donnerstag beginnt, das erste Mal in einem Wettbewerb reiten.

Gerüchte, dass er einen Nachfolger für L'Espoir im Stall habe und bereits in Leipzig satteln werde, dementierte Beerbaum. "Ich weiß nicht, wo das herkommt, ich dachte schon, ich erhalte ein verspätetes Weihnachtsgeschenk." Er habe dieses Jahr zwar bereits 15 Pferde ausprobiert und drei gekauft, aber "keines davon kann L'Espoir ersetzen". Ziel sei es nicht, "einen fertigen Kracher zu kaufen". Der normale Ablauf sei vielmehr, ein jüngeres Pferd selber auf Weltklasse-Niveau zu bringen. "Der An- und Verkauf von Pferden gehört bei mir zum normalen Geschäft, das macht rund 30 Prozent der Arbeit aus", erläuterte Beerbaum.

Gold in Peking im Visier

Sein nächstes großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2008, bei denen Beerbaum seine fünfte Goldmedaille gewinnen will und sogar eine sechste möglich ist. Goldfever (16) und Gladdys (15) sind für die nach Hongkong ausgelagerten Wettbewerbe zu alt, erste Wahl ist aus derzeitiger Sicht Enorm. Den zehnjährigen Hannoveraner-Wallach will er nun in Leipzig ebenso reiten wie den elfjährigen Oldenburger-Hengst Couleur Rubin. Nachdem Beerbaum am vergangenen Wochenende mit dem Sieg beim nationalen Turnier in Münster einen Traumstart ins neue Jahr erlebt hat, steht dort in der Messehalle beim Weltcup der erste Wettbewerb mit der internationalen Konkurrenz an.

(Von Michael Rossmann, dpa)

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