Sport : Lücke im System

Die Volleyballer vom SCC suchen einen neuen Zuspieler

Karsten Doneck

Berlin. Den Drang nach Veränderung spürte Frank Dehne seit langem. Sieben Jahre hatte er beim SC Charlottenburg Volleyball gespielt. Sieben Jahre, die für ihn nicht die schlechtesten waren. Er wurde Nationalspieler, schnupperte als solcher in die Weltliga hinein, spielte im Europapokal. Aber sieben Jahre in ein und demselben Verein, da kommen einem ehrgeizigen Mann auch mal Bedenken, man könnte in seiner Sportlerkarriere ja etwas verpassen. „Ich bin jetzt schon so lange in Deutschland, man nimmt mich gar nicht mehr richtig wahr hier“, sagte Frank Dehne. Und kaum stand der SCC am Ostersonntag als Deutscher Volleyball-Meister fest, kreuzte Dehne bei Manager Kaweh Niroomand auf und teilte ihm mit, dass er den Verein verlassen werde. Künftig trägt der 27-Jährige das Trikot von Rennes Etudiants Club Volley in Frankreich.

„Der beste Zuspieler, den wir in Deutschland zurzeit haben“ – so jedenfalls das Urteil von SCC-Trainer Mirko Culic – ist fort. Schon im Hinblick auf die Champions-League-Teilnahme in der nächsten Saison benötigen die Charlottenburger mindestens gleichwertigen Ersatz auf Dehnes Position. „Wir haben zwei Leute im Auge“, sagt Niroomand. Um Ilija Wiederschein vom VfB Friedrichshafen, der mit Frank Dehne in der Nationalmannschaft auf der Zuspielerposition konkurriert, bemühte sich der SCC nicht. „Der steht noch im Vertragsverhältnis“, sagt Niroomand.

Umso mehr Interesse besteht an Mikko Esko vom TSV Unterhaching. Der 24-Jährige ist 1,99 Meter groß und finnischer Nationalspieler. „Kompliziert“ sei aber dessen Verpflichtung, sagt Niroomand, „aus privaten Gründen“. Eskos Freundin spiele auch Volleyball, und zwar in Ulm, und sie wolle dort nicht unbedingt weg. Bleibt noch der zweite Mann, dessen Namen Niroomand derzeit noch geheimhält. Bereits geschlossen ist hingegen die Lücke, die Routinier Andrei Urnaut beim SCC hinterlässt. Für ihn wird der 20-jährige Sebastian Prüsener aus Unterhaching geholt, auch ein Nationalspieler.

Die Suche nach einem neuen Zuspieler hätte sich der SCC eigentlich schenken können. Schließlich hat Trainer Mirko Culic mit Manuel Rieke noch einen jungen Burschen im Kader, der bei seinen sporadischen Einsätzen an Stelle von Dehne bereits bewiesen hat, dass er in der Bundesliga mithalten kann. Aber da kommen nun große internationale Aufgaben auf den SCC zu. „Wenn wir nicht Champions League spielen würden, hätten wir sicher keine Probleme, es mit ihm als Zuspieler Nummer eins zu probieren“, sagt Niroomand. „Aber bei der Anzahl und Wichtigkeit der Spiele in der nächsten Saison schien uns das zu risikoreich.“ Solche Probleme hat nur ein Deutscher Meister.

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