Sport : Lügen haben kurze Hosen

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Der Lügendetektor ist in Deutschland außerhalb von Talkshows als Beweismittel nicht zugelassen. So ein Gerät soll Delinquenten bei der Vernehmung überführen, indem es die Ausschläge bei Blutdruck, Puls oder Atmung misst. Doch die Trefferquote ist alles andere als sensationell, siehe Aldrich Ames. Der war ein abtrünniger Mitarbeiter des US-Geheimdienstes CIA und verkaufte geheime Informationen an die Sowjetunion. Bei der CIA ahnte man etwas und befragte Ames, doch der bestand zwei Lügendetektortests. Erst viel später wurde er als Doppelagent entlarvt.

Wesselin Mareschki hat wohl noch nie von Aldrich Ames gehört. Der Besitzer des bulgarischen Erstligisten Lokomotive Plowdiw wunderte sich über die unverhoffte Niederlage seines Teams gegen den Tabellenletzten Botew Wraza. „Vor Rückschlägen ist niemand sicher, aber diese Niederlage ist wirklich seltsam“, sagte Mareschki. Er will dem peinlichen 0:1 nun nachspüren – mit einem Lügendetektor. Alle Trainer und Spieler von Lokomotive sollen sich dem Gerät stellen und offenbaren, ob das Spiel verschoben wurde. In Bulgarien kommt derlei schon mal vor, allein seit Anfang September gerieten vier Ligaspiele unter Manipulationsverdacht.

Mareschkis Kampf für die Wahrheit ist also erstmal zu begrüßen. Was er aber wohl nicht weiß: Auch der Lügendetektor kann manipuliert werden, ganz leicht sogar. Frag nach bei Aldrich Ames: Der hatte die Sowjets gefragt, was er beim Test tun solle. Die Antwort: einfach entspannen. Und dass die Spieler von Lokomotive Plowdiw das gut können, haben sie beim 0:1 gegen Wraza zumindest angedeutet.

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