Sport : Luhukay warnt vor der „Hölle“ in Dresden

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Berlin - Der nicht endende Winter hat auch den Schenckendorff-Platz, die Trainingsstätte von Hertha BSC, inzwischen arg in Mitleidenschaft gezogen. Der Rasen ist von braunen Flecken durchzogen, der Untergrund ungewohnt holprig. Nicht gerade die perfekten Bedingungen für perfekten Fußball. Aber Trainer Jos Luhukay kommt das in dieser Woche zu Übungszwecken nicht einmal ungelegen. Als bei einer Passübung mal wieder ein Ball verspringt, der daraufhin unkontrolliert durch die Gegend schwirrt, lässt Luhukay seine Spieler wissen, dass sie am Samstag, beim Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden, ähnliche Bedingungen erwarten. Wenn überhaupt: „In Dresden ist der Platz zweimal so schlecht.“

Seit diesem Montag, seit dem Sieg gegen Kaiserslautern, belegen die Berliner Fußballer Platz eins der Zweiten Liga; die allgemeine Stimmung ist also blendend und kontrastiert daher auf das Schärfste zum trüben Berliner Winterwetter, aber Jos Luhukay, der strenge Holländer, ist nicht der Typ, der seine Spieler so einfach auf einer Welle der Euphorie davonsurfen lässt. Als die Einheit am Mittwochnachmittag für den Großteil der Profis beendet ist, versammelt er sein Personal noch einmal, um es auf die Begegnung in Dresden einzustimmen. Luhukay hält eine fast zehnminütige Grundsatzrede, die Spieler lauschen andächtig. Der Tenor: Hertha muss sich auf ein in jeder Hinsicht dreckiges Spiel einstellen. „Es wird ein Kampf“, sagt Mittelfeldspieler Nico Schulz.

Dem Papier nach sollte die Begegnung eigentlich eine eindeutige Sache für die Berliner sein. Hertha führt die Tabelle an, Dresden liegt auf einem Relegationsplatz. Luhukay hält weder das eine noch das andere für einen Zufall, weil die Tabelle nach zwei Dritteln der Saison recht verlässlich Auskunft gibt über die Leistungsstärke der einzelnen Mannschaften. Und doch prophezeit Herthas Trainer seinen Spielern: „Es wird dreckig, es wird schwierig.“ Das Stadion werde ausverkauft sein, das Publikum sich von der ersten Minute an gegen Hertha wenden. „Die Hölle“ erwartet Luhukay. „Das wird eines der schwersten Auswärtsspiele der ganzen Saison für uns sein“, sagt er.

Schnell spielen, sofern die Platzverhältnisse es zulassen, und trotzdem keine unnötigen Risiken eingehen – so will Herthas Trainer sein Team sehen. Dazu gehört es auch, anders als es zuletzt häufig der Fall war, den Ball möglichst rasch aus der eigenen Abwehr nach vorne zu bringen. Psychologisch ist die Situation, mit der Pflichtaufgabe nach dem Spitzenspiel, durchaus knifflig. Deshalb versucht Herthas Trainer, die Spannung von Neuem aufzubauen. „Wenn wir am Samstag gewinnen, kommen wir in einen Rausch“, prognostiziert er seinen Spielern. „Dann werden die anderen Mannschaften denken: Gegen die können wir eh nicht gewinnen.“ Als wenn das nach 21 Spielen ohne Niederlage grundsätzlich anders wäre. Stefan Hermanns

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