Sport : Luis Garcia rettet Spanien

Auch Tschechien und die Schweiz stehen vor der Qualifikation für die WM

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Berlin - Franz Beckenbauer kann sich schon einmal an seine Flugplanung begeben. Der Chef des Organisationskomitees der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland will schließlich jedes qualifizierte Land auf seinen Reisen persönlich willkommen heißen. Nach den Play-off- Hinspielen im Kampf um die drei letzten europäischen Startplätze für das Turnier vom 9. Juni bis 9. Juli in Deutschland ist es mehr als wahrscheinlich, dass ihn seine Welttournee noch nach Spanien, Tschechien und in die Schweiz führen wird. Noch keine Vorentscheidung brachten die Relegations-Hinspiele auf anderen Kontinenten. Der zweifache Weltmeister Uruguay besiegte Australien 1:0, Trinidad/Tobago und Bahrain spielten 1:1.

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Nach dem 5:1 gegen die Slowakei gilt Spanien als sicherster Kandidat für einen Beckenbauer-Besuch. „Der Retter aus Liverpool – Luis Garcia fällt das Urteil“, so feierte die Zeitung „El Mundo“ den Champions-League-Sieger, der gegen die überforderten Slowaken in Madrid drei Tore erzielt hatte. „Nach dem Kantersieg steht Spanien vor der deutschen Grenze“, schrieb die Zeitung „As“, während der Radiosender Cadena Cope das Resultat gar schon mit dem 5:1 gegen Dänemark bei der Weltmeisterschaft 1986 verglich. Wie das ganze Land ist sich auch Luis Aragones sicher, dass Spaniens WM-Qualifikation nun nicht mehr zu verhindern ist. „Unsere Chancen stehen bei 99,9 Prozent“, sagte der Nationaltrainer. „Da lassen wir nichts mehr anbrennen.“ Im ausverkauften Vincente-Calderon-Stadion erlebten der sichtlich zufriedene König Juan Carlos und Kronprinz Felipe, wie Fernando Torres und Garcias Teamkollege Fernando Morientes die restlichen Tore gegen die Slowaken erzielten, die zudem Marian Had durch einen Platzverweis verloren.

Auch der slowakische Kapitän Miroslav Karhan ist für das Rückspiel am Mittwoch gesperrt. „Aber es ist noch nicht vorbei – in Bratislava wird es ein anderes Spiel“, kündigte der Wolfsburger Bundesliga-Profi trotzig an. Für Trainer Dusan Galis, der wegen Protestierens auf die Tribüne geschickt wurde, waren der italienische Schiedsrichter Massimo de Santis und seine Linienrichter die Hauptschuldigen an dem Debakel seiner Mannschaft. „Mit 11 gegen 14 kann man nicht gewinnen“, sagte Galis.

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Der andere inzwischen eigenständige Teil der ehemaligen Tschechoslowakei ist dagegen auf dem besten Weg zur Weltmeisterschaft nach Deutschland. Dank des Treffers von Vladimir Smicer zum 1:0-Sieg gegen Norwegen verschafften sich die Tschechen eine hervorragende Ausgangsposition, um zum ersten Mal überhaupt seit der Eigenständigkeit des Landes 1993 bei einer WM dabei zu sein. Auf dem schwer zu bespielenden Rasen im Osloer Ullevaal-Stadion bestimmten die Gäste von Beginn an das Geschehen und besaßen noch eine Reihe weiterer guter Möglichkeiten. In seinem ersten Länderspiel seit 492 Tagen verlieh Pavel Nedved, der Star von Juventus Turin, dem tschechischen Mittelfeld die lange vermisste Stabilität und leitete auch den Angriff ein, der über Karel Poborsky zum Siegtreffer durch Smicer führte. Im Rückspiel genügt den Tschechen bereits ein Unentschieden zur WM-Qualifikation.

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Große Hoffnungen auf ihre erste WM-Teilnahme seit 1994 darf sich auch die Schweiz machen. Der Schweizer Trainer Jakob Kuhn sprach von einem „fantastischen Resultat“, und tatsächlich war der 2:0-Sieg in Bern gegen die favorisierte Türkei wohl das überraschendste Ergebnis am vorletzten WM-Qualifikationsspieltag. Mit einer starken Leistung – vor allem die Bundesliga-Profis Ludovic Magnin (Stuttgart) und Tranquillo Barnetta (Leverkusen) ragten heraus – und Toren durch Philippe Senderos und Valon Behrami erarbeiteten sich die Schweizer im ausverkauften Stade de Suisse eine hervorragende Ausgangsposition. Dagegen ging die Taktik des WM-Dritten Türkei, ein 0:0 über die Zeit bringen zu wollen, nicht auf. Die erste Auswärtsniederlage in der WM-Qualifikation lässt dem Team von Trainer Fatih Terim für das Rückspiel nur noch geringe Chancen.

Gar vor der ersten WM-Teilnahme überhaupt steht das Königreich Bahrain . Die Fußballer erkämpften ein 1:1 beim Nord- und Mittelamerika-Vertreter Trinidad/Tobago . Salman brachte Bahrain in Port of Spain eine Viertelstunde vor Schluss in Führung, ehe Birchall fünf Minuten später ausglich. „Die Krieger haben den Heimvorteil verschwendet“, titelte der „Trinidad Guardian“.

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Im Centenario-Stadion von Montevideo hielt Australiens Torhüter Mark Schwarzer seine Mannschaft im WM-Rennen, als er drei Minuten vor dem Ende einen Schuss von Alvaro Recoba spektakulär abwehrte. Trotzdem siegte Uruguay durch ein Tor des Schalker Bundesligaprofis Dario Rodriguez 1:0. Für das Rückspiel am Mittwoch in Sydney bangt Uruguay um den Einsatz von Topstürmer Diego Forlan, der nach einer Muskelverletzung früh ausgewechselt werden musste. Bereits vor vier Jahren waren diese beiden Mannschaften in der Relegation aufeinander getroffen. Damals setzte sich Uruguay durch und fuhr zur WM nach Japan und Südkorea. dpa/Tsp

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